Lukas Podolski mit Górnik-Schal im Ernst-Pohl-Stadion. Imago/Newspix

In diesen Bilder steckt eine riesige Portion Sehnsucht! Das halbe Ernst-Pohl-Stadion in Zabrze war am Donnerstagnachmittag gefüllt, als der polnische Erstligist Górnik Zabrze seinen Königstransfer vorstellte: Den 2014er-Weltmeister Lukas Podolski (36). Mit dem Kölschen Jung, der eigentlich ein waschechter schlesischer Jung ist, erhofft sich der Verein aus der Bergbau-Stadt Zabrze endlich wieder an alte Erfolge anknüpfen zu können.

Lukas Podolski: So emotional war seine Vorstellung bei Górnik Zabrze

Rauchtöpfe wurden gezündet, die Sprechchöre schallten über den Rasen des Ernst-Pohl-Stadions. Doch dort fand kein Spiel statt, dort wurde Lukas Podolski vorgestellt. Die Verpflichtung des ehemaligen deutschen Nationalspielers, der ablösefrei von Antalyaspor zu Górnik Zabrze wechselte, wird seit Tagen von dem Verein groß auf allen Social Media Kanälen vermarktet. Angefangen mit einem kryptischen Video, dann wurde nahezu jeder Schritt Podolskis nach Polen dokumentiert und nun inszenierte Górnik auch die Vorstellung des Stürmers groß.

Podolski, der die Nummer 10 tragen wird, joggte ins Stadion, begrüßte dort die Vereinsbosse, winkte den Fans, sprach selbst in fließendem Polnisch ein paar Worte, stellte sich sogar an die Trommel. Nahbar war Poldi schon immer. Das ist nun auch in Zabrze nicht anders - dem Ort, der nur rund 10 Kilometer von seinem Geburtsort Gliwice entfernt ist. Dass sich Podolski für Zabrze und gegen Gliwice entschied (Piast spielt ebenfalls in der ersten Liga), ist eine echte Herzensangelegenheit. Bereits vor einigen Jahren outete sich Poldi als Zabrze-Fan. 

Górnik Zabrze begrüßt Lukas Podolski „zu Hause“

Und das ist auch die Erzählung, die der Verein und der Spieler vor sich hertragen. „Welcome Home Poldi“, schreibt beispielsweise der Verein auf seiner Instagram-Seite. Und der Stürmer selbst teilte ein eindrucksvolles Video von seinem Empfang. „What a welcome“, schreibt er. Was für ein Empfang.

Dass die Euphorie und die Hoffnungen in Podolski so groß sind, liegt in der Geschichte des Vereins. Denn Górnik Zabrze, was übersetzt Bergmann Zabrze heißt, ist immerhin 14-maliger polnischer Meister, sechsmaliger Pokalsieger und stand 1970 sogar im Finale des Europapokals der Pokalsieger. Ehe im Finale gegen Manchester City Schluss war, schaltete man unter anderem den AS Rom und die Glasgow Rangers aus.

Berührungsängste hat Podolski mit den Fans von Górnik nicht. Die Corona-Regeln in Zabrze sind derzeit sehr locker. Imago/Newspix

Die großen Erfolge von Górnik Zabrze liegen 30 Jahre zurück

Doch das ist 50 Jahre her. Und auch die anderen Erfolge liegen weit zurück. Als Górnik Zabrze 1988 die letzte Meisterschaft holte, war Lukas Podolski gerade einmal drei Jahre alt und lebte bereits in Deutschland. Nun ist er zurück und soll Zabrze wieder konkurrenzfähig machen. Der Verein erhofft sich von Podolski wieder eine bessere Rolle in der Liga zu spielen. In der vergangenen Saison landete der Klub aus der Schlesien nur auf Platz zehn – in der absoluten Bedeutungslosigkeit. Ein Sinnbild für die ganze Region Schlesien, die sich viele Jahre über den Bergbau definierte und nun mit dem Strukturwandel zu kämpfen hat. 

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Der ist Zabrze allein durch die Verkündung des Transfers erwachsen. Polnische Medien spekulieren bereits, dass Podolski seinem Herzensklub durchaus neue Werbepartner bescheren könnte - und auch die Trikotverkäufe in die Höhe schnellen werden. Zudem soll das finanzielle Risiko nicht all zu hoch sein. Wie die Zeitung Fakt berichtet, wird Podolski bei Górnik Zabrze zwar Bestverdiener, aber im Ligavergleich liegt er weit hinter den Spitzengehältern zurück. Es ist eben eine Herzensangelegenheit.