Wütende Proteste im Stadion Old Trafford. Auch vor dem Teamhotel von Manchester United hatten sich wütende Anhänger der Red Devils versammelt. Foto: AFP/Oli Scarff

Tumulte, Aufruhr, Fanprotest! Die Absage des Spiels zwischen Manchester United und dem FC Liverpool nach einem Stadionsturm von bis zu 10.000 Fans der Red Devils schlägt auch am Tag danach noch hohe Wellen und stößt neben Ablehnung auch auf landesweite Zustimmung in England.

„Irgendein Dorftrottel hätte hier heute jemanden umbringen können“, schimpfte Liverpool-Legende Graeme Souness über die Attacken der zornigen Fans, die sich gegen die Klubbesitzer von Manchester United richteten. Der Platzsturm sei „inakzeptabel“, so Souness, ihre Empörung treffe „die Falschen“.

Sehnsucht nach deutschem Vorbild

Denn während Souness & Co. im „Theater der Träume“ eine Leuchtrakete und eine Flasche um die Ohren flogen und zwei Polizisten verletzt wurden, saß das Ziel des Ärgers seelenruhig auf der anderen Seite des Ozeans: die milliardenschwere Besitzerfamilie um Joel und Avram Glazer, die United seit 16 Jahren wie eine Melkkuh aussaugt.

Der Guardian schrieb von einem „Akt purer Verzweiflung und Machtlosigkeit“ der Fans, aus denen über Jahre angestauter Frust herausbrach. Der kürzliche Versuch, eine Super League zu gründen, war offenbar der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Dieser denkwürdige Abend soll „nur der Anfang“ gewesen sein, „das kann ich garantieren“, sagte Klub-Ikone Roy Keane: „Den Fans ist es todernst. Sie haben die Schnauze voll.“ 

Schon seit längerem träumen Manchester-Fans von einer 50+1-Regel wie in Deutschland. Foto: imago/Stella Pictures

Als die Glazers-Familie 2005 United unter ihre Kontrolle brachte, wälzte sie die Kaufsumme auf den Klub ab. Der bis dahin schuldenfreie Verein stand über Nacht mit 525 Millionen Pfund in der Kreide. Der Schuldenberg  betrug im März 2021 noch immer 455,5 Millionen Pfund, aber die Glazers schöpften über die Jahre mehrere Hundert Millionen Pfund an Gewinnen und Dividenden ab.

Es gab Protest von Beginn an. Als die Glazers im Juli 2005 das Old Trafford besuchten, mussten sie von der Polizei geschützt werden. Enttäuschte Anhänger gründeten den Protestklub FC United of Manchester. 2010 riefen sie die nach den Farben von Vorgängerverein Newton Heath benannte Bewegung „Green and Gold“ ins Leben. „Das hat 16 Jahre geköchelt“, so deren Sprecher Ian Stirling. Das Ziel der Proteste? Ein anderes United! Am liebsten nach deutschem Vorbild: Stirling & Co. träumen vom Modell 50+1.