Rudi Völler, neuer Sportdirektor der Nationalmannschaft, bei seiner Antrittsrede.
Rudi Völler, neuer Sportdirektor der Nationalmannschaft, bei seiner Antrittsrede. dpa/Gollnow

Der WM-Frust muss weg! Denn 2024 ist Heim-EM für das DFB-Team. Wer kann besser eine neue Liebe und ein Fieber für die Nationalmannschaft entfachen als Rudi Völler (62)? Seit Donnerstag ist er der Nachfolger des zurückgetretenen Sportchefs Oliver Bierhoff. Herthas Manager Fredi Bobic war zunächst der Topkandidat für den Job. Jetzt ist es Rudi Nazionale, der Liebling der Fans, der Wunder vollbringen soll.

Als Nationalspieler Weltmeister 1990, als Bundestrainer Vize-Weltmeister 2002. Doch es sind nicht nur die Titel, sondern die Anekdoten, die ihn zum Volkshelden machten. Er war 1990 beim WM-Achtelfinale das Spuckopfer von Hollands Frank Rijkaard und ertrug diese Demütigung mit Würde. Als Bundestrainer sorgte er 13 Jahre später für eine der legendärsten TV-Auftritte in Deutschland.

Völler zu TV-Star Hartmann: „Du hast drei Weizenbier getrunken“

Das legendärste TV-Interview eines Bundestrainers. Rudi Völler motzte 2003 über die Kritiker und haute dann den Weizenbier-Spruch gegenüber Moderator Waldemar heraus.
Das legendärste TV-Interview eines Bundestrainers. Rudi Völler motzte 2003 über die Kritiker und haute dann den Weizenbier-Spruch gegenüber Moderator Waldemar heraus. ARD

Nach einem 0:0 in Island schoss er sich auf die Kritiker ein und knallte Fernsehlegende Waldemar Hartmann an den Kopf: „Tiefpunkt und noch ein Tiefpunkt, so einen Scheiß kann ich nicht mehr hören. Du sitzt hier locker auf deinem Stuhl, hast drei Weizenbier getrunken.“ Es gab danach keine Empörung, sondern eher Zustimmung wegen des Frustausbruchs. Das Interview hat Kult-Status – bis heute.

Jetzt ist Rudi wieder da und viele Fragen sich jetzt schon: Gibt es demnächst wieder ein Weizenbier-Interview? Völler ist jetzt 19 Jahre älter, da wird man ruhiger. Aber die Situation um den deutschen Fußball ist auch dramatischer geworden. Waldi, stell’ schon mal das Bier kalt …

Völler wollte erst gar nicht den Job

Rudi soll den Kurzzeit-Retter bis zur EM 2024 spielen, dabei hatte er am Anfang gar keine Lust drauf. „Ich wollte es zu Beginn nicht unbedingt machen. Auf einmal haben mich alle angeguckt, ob ich es machen könnte. Ich war erst mal nicht so richtig überzeugt. Aber ich habe mich überzeugen lassen, dass es für diese Zeit eine gute Lösung ist“, sagt Völler ehrlich.

Er sagt aber auch, dass er nur diese 18 Monate den Feuerwehrmann spielt, nicht einen Tag mehr. Völler: „Es ist mein Plan, dass ich es nicht länger mache. Ich will für diese 18 Monate mit meiner Erfahrung Input geben und helfen, eine erfolgreiche EM zu spielen.“

Er wolle dafür sorgen, dass sich die Nationalmannschaft wieder „volksnäher“ präsentiere. „Wie das aussieht, wird man sehen. Man kann das Rad nicht zurückdrehen auf vor 30, 40 Jahren. Aber man kann schon einige Sachen anpassen“, betonte Völler. Er bilde sich nicht ein, „die ganzen Strukturen beim DFB ändern zu können. Da sind sicher Jüngere berufen. Aber ich kann meine Meinung dazu sagen“, so der langjährige Funktionär von Bayer Leverkusen.

Der neue DFB-Sportchef Rudi Völler sorgt sich um die langfristige Zukunft des deutschen Fußballs und nimmt auch die Vereine in die Pflicht. „Ich bin total optimistisch, dass wir mit diesen Spielern erfolgreich sein können. Was problematisch sein wird, ist, wie es in sechs, acht oder zehn Jahren sein wird“, sagt Völler. Es ist ein Appell an alle, besonders an die Ausbilder der Talente beim DFB und in den Vereinen.

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