Torschütze und Vorlagengeber: Luca Waldschmidt (l.) klatscht mit Philipp Max ab. Foto: Imago Images/Moritz Müller

Geglückter Start in den letzten Länderspiel-Dreier des Jahres. Mit einem völlig auf den Kopf gestellten Team läuft für Deutschland längst nicht alles rund, dennoch gelingt gegen Tschechien ein 1:0 (1:0). Jogi Löw geht mit einer Jugendbrigade volles Risiko und siegt sich dieses Risikospiel trotzdem schön.

Nichts ist personell mehr wie zuletzt beim 3:3 in der Nations League gegen die Schweiz – bis auf Antonio Rüdiger. Der Abwehrmann vom FC Chelsea ist allein übrig vom Spiel vier Wochen zuvor. Ansonsten lässt Bundestrainer Löw wie wild rotieren und bringt mit Ridle Baku (VfL Wolfsburg) und Philipp Max (PSV Eindhoven) zwei Neulinge. Beide beackern die Außenbahnen und gehören, alle Achtung, dank ihrer offensiven Stärken zu den Besten. Max bereitet mit einem klasse Querpass auf Luca Waldschmidt zudem das entscheidende 1:0 (13.) mustergültig vor.

Nur 5 Feldspieler stehen zum Tausch

So schnell es mit der durchaus verdienten Führung auch geht, insgesamt steht die Partie nicht unter dem besten Stern. Im DFB-Team fallen kurzfristig Robin Gosens und Benjamin Henrichs angeschlagen aus, Torhüter Oliver Baumann muss, weil es in seinem Heimatverein Hoffenheim mehrere positive Coronafälle gibt, abreisen und sich in häusliche Quarantäne begeben. So bleiben Löw nur fünf Feldspieler zum Tausch, wovon der Bundestrainer mit Nadiem Amiri alsbald Gebrauch machen muss, weil sich Jonas Hofmann eine Muskelverletzung am Oberschenkel zuzieht (20.). Auch die Tschechen leiden unter etlichen Ausfällen, verzichten dennoch für die ersten 69 Minuten auf Herthas Vladimir Darida, eigentlich Kapitän seiner Elf.

Unter diesen widrigen Voraussetzungen sind gerade vom deutschen 1b-Team keine Wunderdinge zu erwarten. Die Partie dient allein als Test für die Jugend, verstärkt mit ein wenig Erfahrung durch Ilkay Gündogan (in seinem 40. Länderspiel ist der Mittelfeldmann erstmals Kapitän), Rüdiger (36. A-Einsatz) und Julian Brandt (34). Die acht übrigen Spieler der Startelf bringen zusammen lediglich 30 Länderspiele auf den Rasen.

Insofern gibt es einiges Licht, aber auch manchen Schatten. Hier steht wegen wackliger Momente in der Abwehr die Führung auf dem Spiel, dort wird mit vielversprechenden Angriffen die endgültige Entscheidung gesucht, aber nicht gefunden, auch weil ein Hammerschuss von Florian Neuhaus zwar ein Tor wert war, aber mit voller Wucht an Lattenkreuz kracht (77.). Einer der Gründe für die sonstige Torarmut: Im Tor der Gäste zeigt Jiri Pavlenka, warum er in der Bundesliga die Nummer 1 von Werder Bremen ist. Vor allem gegen Amiri ist der Schlussmann innerhalb von Sekunden gleich zweimal zur Stelle, pariert in großem Stil (43.). Allerdings verpuffen etliche Kombinationen wegen fehlender Präzision und mangelnder Abstimmung. So muss Kevin Trapp bei einem Kopfball von Matej Vydra sogar den Sieg retten (82.).

Ende gut, alles gut? Eine Wertung ist ohnehin kaum möglich, zumal in der Nations League am Sonnabend gegen die Ukraine und am Dienstag in Spanien die Bayern-Stars dabei sein werden. Dann hat Jogis Jugendbrigade erst einmal wieder ausgedient.