Jogi Löw nach dem Blamage von Sevilla auf dem Gang in die Kabine. Geht der Bundestrainer bald ganz? Foto: imago images/Eibner

„Högschde Disziplin!“ Das ist Jogi Löws Markenzeichen, sein Mantra als Bundestrainer. Beim historischen 0:6-Debakel in Spanien war davon nichts mehr zu sehen. Keine Ordnung, keine Hierarchie. Löw ist am Ende. Jogi, es ist högschde Zeit zu gehen!

Die Dimension der Schande von Sevilla – Deutschland hatte zuletzt 1931 gegen Österreich so hoch verloren – war nach dem Abpfiff keinem der Nationalspieler bewusst. Sie stammelten herum und versuchten sich an hilflosen Erklärungen für das kollektive Versagen. Nicht ein Wort des Schamgefühls, nicht ein Satz der Entschuldigung. Das ist das högschde Alarmzeichen!

Bastian Schweinsteiger, Weltmeister von 2014 und Ex-DFB-Kapitän (2014-2016), brachte es als TV-Kommentator auf den Punkt: „So darf man nicht als deutsche Nationalmannschaft auftreten. Es gibt gewisse Werte, die eine deutsche Nationalmannschaft vertreten muss. Und das habe ich heute auf dem Platz nicht gesehen. Es war entsetzlich!“

Diese Mannschaft hat den Mythos der DFB-Elf, die bis zum Schluss kämpft, auch wenn ein Spiel noch so aussichtslos ist, zerstört. Es gibt diesen trotzigen Teamgeist nicht mehr. Verantwortlich dafür ist der Bundestrainer. Denn er hat diesen DFB-Kader zusammengestellt. Er wollte sich selbst und die Nationalelf nach der anderen historischen Pleite, dem Vorrunden-Aus bei der WM 2018, neu erfinden. Doch der Radikalschnitt mit dem Aussortieren erfahrener Spieler wie Mats Hummels, Jerome Boateng und Mentalitätsmonster Thomas Müller war der größte Fehler. Tugenden gibt man von Generation zu Generation weiter. Diesen menschlichen Faktor hat Taktikfuchs Löw völlig übersehen.

Und er will ihn auch jetzt nicht erkennen. Löw ist ratlos, will aber von seinem Weg nicht abweichen: „Wir dachten, dass wir schon weiter sind. Das Vertrauen ist jetzt im Moment nicht völlig erschüttert. Diese junge Mannschaft hat auch die Fähigkeit, sich so zu entwickeln, dass wir eine leistungsstarke, konkurrenzfähige Mannschaft haben. Davon bin ich absolut überzeugt.“

Es sind Sätze, die der Bundestrainer seit über zwei Jahren immer wieder sagt. Doch statt Entwicklung gibt es Rückschritte. Deutschland ist vom Global Player zu einem mittelmäßigen Akteur des Weltfußballs geworden. Das ist die brutale Realität. Bei der EM im Sommer 2021 sind die Vorrundengegner Weltmeister Frankreich und Europameister Portugal. Wunder kann man sowieso nicht erwarten. Doch der Fußball-Fan hat zumindest ein Recht auf Kampf und Willen. Das geht mit Löw nicht mehr. Jogi, es ist högschde Zeit zu gehen.