Bundestrainer Jogi Löw nach dem 2:1 in der Ukraine. Foto: imago images/Schüler

Zurück aus der Ukraine, zurück mit dem ersten Sieg 2020. Die Erleichterung ist bei Bundestrainer Jogi Löw nach dem 2:1-Erfolg zu spüren. Ergebnis okay, aber die Probleme auf dem Platz bleiben. Fehlpässe, falsche Laufwege und Lücken in der Abwehr. So ist das DFB-Team bei der EM 2021 nicht titeltauglich.

Löw durfte nach dem WM-Desaster 2018 weitermachen. Er verjüngte das Team. Doch richtig gefunden haben sich die Spieler noch nicht. Gegen Spanien (1:1) und in der Schweiz (1:1) wurden die Siege in der Nations League verschenkt. Im Test gegen die Türkei mit B-Elf 3:3 gespielt und jetzt nur ein Zittersieg in der Ukraine.

Dabei hatte Löw mit fünf Bayern-Profis und Toni Kroos spielen lassen. Eigentlich echte Qualitätsspieler. Doch es hakte im Mittelfeld und das Team lief mal wieder in gefährliche Konter. Die Kritik an Löw wächst.

Doch der Bundestrainer bleibt bei seiner Linie. In einem exakt vier Minuten und 25 Sekunden dauernden Monolog verteidigte Löw seinen Kurs und belehrte die zahlreichen Kritiker: „Ich weiß, wann ich was tue. Ich sehe das große Ganze. Ich sehe nicht immer nur ein einzelnes Testspiel. Ich sehe einfach den Weg zur EM.“

So ähnlich drückte er sich auch vor zweieinhalb Jahren aus und flog als amtierender Weltmeister beim Turnier in Russland in der Vorrunde raus. Jetzt legt er sogar nach: „Kritik ist okay, kann jeder gerne tun! Aber wir haben unsere Linie, wir haben unseren Plan.“ Die Abrechnung soll im Sommer 2021 nach der EM erfolgen, nicht jetzt.

Er will sogar Fortschritte auf dem Rasen gesehen haben: „Es ist uns nicht alles gelungen, aber einiges auf jeden Fall. Ich vertraue meinen Spielern. Wir haben eine sehr gute Mannschaft. Warum soll man jetzt unsere Linie völlig aufgeben?“

Nach den Toren von Matthias Ginter und Leon Goretzka sowie dem Gegentreffer nach einem von Niklas Süle verursachten Elfmeter, sahen die Spieler ihre Leistung ein bisschen selbstkritischer. „Wir wissen, dass wir nicht die Sterne vom Himmel gespielt haben“, erklärte Ginter. Bayerns Stürmer Serge Gnabry ergänzte: „Wir haben es mal geschafft, ein Spiel über die Runden zu bringen.“ Kapitän Manuel Neuer wurde deutlicher: „Bei der EM brauchen wir Männerfußball.“

Löw hofft auf das Prinzip, dass sich durch Erfolge mental etwas in den Köpfen der Nationalspieler verändert: „Siege sind der Klebstoff, dass man einfach mit breiterer Brust Richtung EM geht.“

Dafür gibt es Dienstag (20.45 Uhr) gegen die Schweiz im Kölner Stadion vor 300 Zuschauern (mehr sind wegen Corona nicht zugelassen) die Gelegenheit. Gibt es keinen Dreier, werden die Kritiker noch lauter. Seit Neuestem gesellt sich auch Löws langjähriger Kapitän Bastian Schweinsteiger dazu: „Man kann sich nicht mehr hundertprozentig identifizieren mit der Nationalmannschaft, das ist schade.“

Löw bleibt auch da stur: „Es ist normal, dass es unterschiedliche Meinungen gibt über Systeme, über Taktiken, über Spieler und über Personalentscheidungen. Das erlebe ich schon seit 16 Jahren. Von daher stehe ich über den Dingen, was Kritik betrifft.“