Die Bayern-Profis Gnabry und Süle gratulieren Javi Martinez. Foto: dpa

Noch ein Titel für die Bayern! Einer, mit dem sie bisher gefremdelt, den sie bei ihrer fünften Teilnahme erst zum zweiten Mal gewonnen haben. Mit dem Triumph in Europas Supercup beim 2:1 (1:1, 1:1) nach Verlängerung gegen den FC Sevilla geht die Saison für die Münchner so weiter, wie die vorige geendet hatte. Nur eines geht trotzdem zu Ende: Javi Martinez verlässt die Bayern mit dem schönsten aller Abschiedsgeschenke.

Für Tore haben sie den Spanier, vor acht Jahren für 40 Millionen Euro, die Rekordablöse, die die Bayern bis dahin für einen Spieler bezahlt hatten, gekommen, nicht geholt. Mit einem Tor aber geht der Defensivmann, mit einem Kopfball, der in der 104. Minute das bessere Ende über den brandgefährlichen Rekordgewinner der Europa League gebracht hat, zurück in seine Heimat, zurück zu seinem Heimatverein Athletic Bilbao.

In seinem 232. und vermutlich letzten Pflichtspiel für die Bayern erzielt der Mann, der in erster Linie Gegentore verhindern soll, seinen 14. Treffer. Es ist nach dem Rückstand durch einen Elfmeter (Lucas Ocampos, 13.) und den Ausgleich durch Leon Goretzka (34.) das Ding, das Trainer Hansi Flick den vierten Titel beschert und ihn ein winziges Stückchen sogar über den 2013er Triple-Coach Jupp Heynckes stellt, weil der sich vor dem damaligen Supercup in sportliche Rente verabschiedet hatte.

Irgendwie schließt sich mit diesem Kopfball ein Kreis, der sich schöner nicht hätte schließen können. „Na klar hatte ich, als ich ins Spiel kam, diesen Traum mit einem Tor“, sagte er nach dem Coup, „aber es war eigentlich nur ein Traum.“ Schon 2013, im Spiel um Europas Supercup gegen den FC Chelsea, traf Martinez, in buchstäblich allerletzter Sekunde. In der Nachspielzeit der Verlängerung erzielte er das 2:2 und ermöglichte den Münchnern damit überhaupt erst den Erfolg im Elfmeterschießen.

Damals war er in der 56. Minute gekommen, diesmal viel später. Erst in der 99. Minute durfte er rein für Lucas Hernandez. Nur fünf Minuten brauchte Martinez, der Weltmeister von 2010 mit Spanien, für sein Tor und dafür, dass der Wechsel gegen Hernandez, den Weltmeister von 2018 mit Frankreich, ein goldrichtiger gewesen war. Dass zwischendurch ein weiterer Weltmeister, mit Manuel Neuer ein deutscher von 2014, mit sensationellen Paraden gegen Sevilla-Joker Youssef En Nesyri die Bayern im Spiel hielt, rundet die Sache weltmeisterlich-elegant ab.

Nach acht Jahren verlieren die Münchner also einen ihrer stillen Helden, den, der in all der Zeit die Rückennummer 8 getragen hat. Er hat es mit Stolz getan und mit Können, mit Spaß, Freude und einer riesengroßen Portion Bescheidenheit. Als sich die Bayern in der Nacht von Budapest nämlich den Siegerpokal gegenseitig in die Hand gaben und mit ihm posierten, sah Martinez wie ein scheues Reh aus der Entfernung zu und versteckte sich geradezu in der letzten Reihe. Erst ganz zum Schluss, als sie sie alle schon gehabt hatten und als die TV-Kameras längst ausgeschaltet waren, griff er sich die Trophäe doch noch.

Sein Credo nennt der Held des Abends aus der Puskas Arena so: „Es ist egal, ob ich zehn oder 15 Minuten spiele, ich gebe immer alles.“ Selbst jetzt noch, in den allerletzten Momenten seiner Zeit in München. „Ganz so viel feiern werden wir nicht“, hat er noch auf dem Spielfeld gesagt, „wir haben ja am Sonntag, glaube ich, wieder ein schweres Spiel, das in Hoffenheim.“

Selbst wenn er da nicht mehr dabei sein sollte, er wird wohl noch lange in Gedanken das Bayern-Trikot tragen. Jenes mit der Rückennummer 8, die nach diesem traumhaften Showdown für seinen Nachfolger sogar ein Stückchen Ballast werden könnte.