Herthas Krzysztof Piatek lässt sich feiern.  Foto:  AFP

Geschafft hier und zu Ende da. Den Bock umgestoßen haben die einen und den Fortbestand der Serie verspielt die anderen. Das alles spiegelt sich im Hauptstadt-Derby wider, bei dem Hertha BSC nach vielen Holperern den 1. FC Union 3:1 (0:1) nach Köpenick schickt. Zwar ärgern die Rot-Weißen die Blau-Weißen, nehmen sich mit einer frühen Roten Karte gegen Robert Andrich aber nahezu alle Chancen, während bei Hertha der zuletzt geschmähte Krzysztof Piatek mit einem Doppelpack die Partie für die Blau-Weißen zum ersten Heimsieg der Saison nach Hause bringt.

Was hat es nicht schon alles gegeben im Hauptstadt-Derby, Raketen-Freistöße und Hammer-Elfmeter, grandiose Auswärtssiege und ganz viel Emotion sowieso. Doch wenn später mal irgendjemand fragt, was gerade dieses Spiel so speziell macht, dieses siebte Derby insgesamt und das dritte in der Bundesliga, dann ist die Antwort einfach: ein Feldverweis. Robert Andrich ist der Sünder, der Mittelfeld-Draufgänger. Mit einem rustikalen Tritt haut der Dauerläufer – völlig unnötig übrigens – Lucas Tousart fast das rechte Ohr ab und dazu ein wenig auch den Kopf. Dass sich Andrich dabei selbst an der Hüfte wehtut – geschenkt. Für ihn ist es in diesem Moment, in Minute 23, ein Frust-Derby.

Krzysztof Piatek erzielt den Führungstreffer zum 2:1.
Foto:  AFP

Urs Fischer, der sonst so ruhige Trainer der Eisernen, will es nicht verstehen. Vielleicht sanktioniert Felix Brych damit auch die ersten Einstiege von Andrich gegen Matteo Guendouzi und gegen Matheus Cunha, mit denen der eiserne Dauerläufer sofort signalisiert: Es ist Derby, es ist kein Spaß. Nur hat Andrich diese Art von Spaß gerade in jener Sekunde ein wenig falsch verstanden.

Na klar haut das den Plan der Köpenicker komplett über den Haufen. Sie haben gute 70 Minuten in Unterzahl vor der Brust, aber: Sie führen. So schlau sie sich dabei auch angestellt haben, so komisch sehen die Herthaner dabei aus. Zuerst steckt Marcus Ingvartsen, obwohl von Niklas Stark und Jordan Torunarigha (ersetzt den verletzten Omar Alderete) zugestellt, auf Taiwo Awoniyi durch, der Nigerianer behauptet sich gegen Matteo Guendouzi und Dedryck Boyata und erwischt mit einem eigentlich abgerutschten Versuch auch noch Alexander Schwolow.

Mit dem 0:1 (20.), aber erst recht mit der Roten Karte, sind die Karten komplett neu gemischt. Die Rot-Weißen, durchaus selbstbewusst und engagiert, machen das wie zuletzt auch in ihren acht Spielen ohne Niederlage: ruhig, durchdacht, kompakt. Dass die Blau-Weißen zunächst so gar nicht wissen, wie sie mit diesem eigentlichen Vorteil umgehen sollen, ist ihnen recht.

Dafür, dass es nicht ganz so verrückt kommt, sorgt ein Schuss von Matheus Cunha, den Luthe festhalten sollte, es aber nicht tut. Peter Pekarik, der Verteidiger, schafft das, was die Angreifer nicht wuppen: das 1:1 (51.). Die Blau-Weißen atmen tief durch, damit ist der Super-Gau vereitelt. Erst einmal tun sie sich dennoch weiterhin schwer, aber Krzysztof Piatek, erst zur Pause gekommen, hat beim 2:1 (74.) das Glück, das ihm sonst meist gefehlt hat: Sein Schuss aus der Drehung wird von Julian Ryerson abgefälscht, und beim 3:1, vor dem Luthes Spieleröffnung schiefgeht, legt Unions Norweger Herthas Polen den Ball schussbereit auf den rechten Schlappen (77.).

Mann des Tages: Herthas Krzysztof Piatek.
Foto: AFP

„Diese Niederlage tut richtig weh“, sagt Luthe, „wir haben uns lange gewehrt und haben gehofft. Aber Hertha hat das mit viel Geduld gemacht.“ Leicht fällt den Blau-Weißen das trotzdem nicht, weil sie lange brauchen, um die Lücke zu finden. „Wir wollten den Sieg unbedingt“, meint Niklas Stark, „am Anfang vielleicht sogar zu sehr. Dabei haben wir etwas den Kopf verloren.“

Dass es ganz am Ende, in allerletzten Sekunde, bei Union auch noch Max Kruse erwischt und er mit einer Fußverletzung vom Platz humpelt, macht den Abend für die Rot-Weißen richtig traurig. Die Blau-Weißen aber wähnen sich mit dem Triumph im Prestige-Spiel endlich auf dem Weg nach oben.