Unions Stadion An Der Alten Försterei ist für seine Stimmung berüchtigt – corona-tauglich ist es dagegen nicht.  Foto: Matthias Koch

Die Politik sendet positive Signale. Zum Saisonstart am 18. September könnten erstmals während der Corona-Pandemie wieder Zuschauer ins Stadion – Grund zum Jubeln haben die Fans allerdings nicht. Während Hertha BSC profitiert, droht der 1. FC Union der große Verlierer zu werden.

„Wenn ein gutes Hygienekonzept vorliegt und Abstand zwischen den Besuchern gewährleistet ist, können Veranstaltungen stattfinden - auch mit einer größeren Zahl an Zuschauern“ stellt Kanzleramtschef Helge Braun vielen Fans ein Ende der Sehnsucht in Aussicht. Gleichzeitig bestätigte der CDU-Politiker damit die Aussage von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der jüngst vollen Stadien eine klare Absage erteilte.

Den Anstoß gab die Deutsche Fußball-Liga (DFL) vergangene Woche mit der Veröffentlichung eines Leitfadens, der die Rahmenbedingungen für die Rückkehr der Fans vorgibt. Hertha würde zum Zuschauerkrösus, dürfte bis zu 37.238 Fans ins große und vor allem weitläufige Olympiastadion lassen. Stadtrivale Union wäre dagegen der größte Verlierer alle 18 Erstliga-Klubs, maximal 4108 Fans könnten ins Stadion An Der Alten Försterei. Damit würden den Eisernen weiterhin wichtige Einnahmen flöten gehen. Auch die berüchtigte Stimmung an der Wuhle dürfte so nur schwer aufkommen. 

Die Zahlen ergeben sich aus dem DFL-Leitfaden, der vorsieht, nur maximal die Hälfte aller Sitzplätze und nur jeden achten Stehplatz freizugeben. Wie viele Zuschauer tatsächlich in die Stadien dürfen, entscheiden die Klubs – individuell nach Standort und den baulichen Gegebenheiten (u.a. Tribünen, Toiletten, ÖPNV-Anbindung). Das letzte Wort haben weiterhin die jeweils zuständigen Gesundheitsämter – die deutlich weniger Zuschauer zulassen könnten. 

Eine polarisierende Lösung für den 1. FC Union wäre der Umzug ins Olympiastadion. Fraglich wäre, zu welchen Bedingungen die Eisernen die Zwischenmiete in Westend beziehen könnten. Billiger als alle Fans einem Corona-Test zu unterziehen, wie es Unions Präsident Dirk Zingler ankündigte, dürfte es aber allemal werden.

Egal wie es kommt, klar ist: Grund zum Jubeln wird weiterhin kein Fan haben. Bier-Verbot, Masken-Pflicht und womöglich personalisierte Tickets, um Infektionsketten nachzuvollziehen, werden das Stadionerlebnis vieler trüben.