Hertha-Profis dürfen erstmals wieder auf den Platz, wahren aber  immer den Corona-Abstand. Foto: Jan-Philipp Burmann/City-Press

Berlin - Es ist der erste kleine Schritt aus der Corona-Krise, der Millionen von Fans Hoffnung macht: Hertha und Union haben wie fast alle anderen Bundesliga-Klubs nach 26 Tagen endlich wieder das Teamtraining aufgenommen. Aber von Normalität kann trotzdem noch lange keine Rede sein.

„Wir werden uns auch in dieser Woche an die Regeln des Berliner Senats zur Eindämmung des Coronavirus’ halten“, erklärt Herthas Pressesprecher Max Jung: „Das bedeutet, dass die Jungs so wenig Zeit wie möglich in der Kabine verbringen, die Abstand- und Hygiene-Regeln eingehalten werden.“

Dass der Alltag bei den Blau-Weißen noch nicht eingekehrt ist, beweist auch, dass Alexander Nouri (40) diese Woche noch bei der Familie in Weyhe (bei Bremen) weilt. Herthas Chefcoach soll aber nicht unter Corona-Verdacht oder gar Quarantäne stehen.

Körperkontakt, Zweikämpfe und auch Spielformen stehen noch nicht auf dem Programm

Hertha-Pressesprecher Max Jung

Während Nouris Abwesenheit leitet Athletik-Trainer Henrik Kuchno (46) die Einheiten. Die Profis betraten in drei Gruppen von bis zu maximal acht Spielern erstmals wieder den  Schenckendorffplatz. Gearbeitet wurde dann vornehmlich an der Kondition – aber immerhin auch wieder ein wenig mit den Ball am Fuß.

Daran war bei Hertha nach einem positiven Covid-19-Fall bei den Profis lange nicht zu denken. Nach 14-tägiger häuslicher Quarantäne und einer Woche individuellem Lauftraining ist aber zumindest ein Anfang gemacht. Fußballspezifisch kann man das Training dennoch nicht nennen. „Körperkontakt, Zweikämpfe und auch Spielformen stehen noch nicht auf dem Programm“, erklärt Jung.

Geduscht wird zu Hause

Damit das Virus nicht wieder einen Herthaner erwischt, müssen die Profis nach der Einheit direkt nach Hause – geduscht wird in den eigenen vier Wänden.

Am anderen Ende der Stadt bot sich ein ähnliches Bild. Nur in anderen Farben halt. Und dass der Chefcoach anwesend war. Denn Urs Fischer war eigens aus seinem Häuschen im Umland von Zürich mit dem Auto nach Berlin gefahren, um sich hier nicht in 14-tägige Vorsichtsquarantäne begeben zu müssen. Hätte ihm bei einer Einreise per Flieger gedroht.

Erwartungsgemäß stand erst mal nicht der Ball im Mittelpunkt, sondern schnöde Leistungsdiagnostik. „Wir kontrollieren die Werte der Spieler aus dem Hometraining. Dann haben wir für die Belastungssteuerung bewertbare Daten“, sagt Unions Manager Oliver Ruhnert.

Umgezogen wurde sich in zwei Kabinen. Ein kleines Läufchen stand auch auf dem Programm, wie ein insgesamt 25 Sekunden dauerndes Video zeigt, das die Eisernen bei Twitter veröffentlichten. Alles mit reichlich Sicherheitsabstand zwischen den einzelnen Protagonisten. Trainiert wird über den ganzen Tag verteilt in Kleingruppen von bis zu maximal fünf Spielern. Schichtbetrieb in Köpenick also.

„Natürlich achten wir darauf, so wenig Kontakt wie möglich zu haben“, sagt Pressesprecher Christian Arbeit. Für alle Klubs wird dabei die psychologische Komponente. am wichtigsten sein. Wieder als Team versammelt zu sein, müsste aufhellende Wirkung auf Geist und Seele der Kicker haben. Im Lauf der Woche sollen zumindest bei Union fußballspezifische Übungseinheiten dazukommen.

Unions Trainer Urs Fischer heute auf dem Gang zu den Trainingsplätzen hinter dem Stadion An der Alten Försterei. Foto: Andreas Gora/dpa

In München genoss auch Nationaltorhüter Manuel Neuer (34) die Rückkehr auf den Rasen. „Es war schon ein sehr ungewohntes Gefühl, in Kleingruppen zu trainieren. Aber es war schön, die Jungs mal wieder live zu sehen“, erklärte Bayerns Kapitän.

Lewandwoksi nach Op erstmals dabei

Auch beim FCB wurden die Profis, bei denen Stürmer Robert Lewandowski (31) nach seiner Knie-OP wieder dabei war, in Kleingruppen auf verschiedene Plätze aufgeteilt.  

Dabei sitzen alle Klubs im gleichen Boot, hoffen, dass Anfang Mai wieder gespielt werden kann. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) plant, die Saison mit Geisterspielen bis Ende Juni zu beenden. Am 17. April steht die nächste Video-Konferenz an, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Entscheidend für den Neustart wird, dass die Corona-Neuinfektionen in Deutschland weiter zurückgehen, die Gesundheit aller gewährleistet ist. Bis dahin werden die Einheiten überall nicht viel mehr sein als eine Art Fitnesstraining an der der frischen Luft.