Der Erdgas-Sportpark in Halle. Hier werden in den kommenden Wochen keine Geisterspiele stattfinden. imago-images/Holger John

Waldhof Mannheim gerät wegen der Veröffentlichung eines Todesfalls in die Kritik, der Oberbürgermeister von Halle untersagt Geisterspiele in seiner Stadt: Bereits vor der Videokonferenz der 20 Clubs ging es am Montag in der 3. Fußball-Liga hoch her. In der am Nachmittag beginnenden Schalte soll über die Möglichkeiten einer Saisonfortsetzung ohne Zuschauer debattiert werden.

Die Gemüter hatten sich bereits am Schritt von Waldhof-Geschäftsführer Markus Kompp erhitzt, der einen Coronavirus-Todesfall im direkten Umfeld eines Spielers öffentlich gemacht hatte. «So ein Vorgang hat ja auch eine ethische Komponente. Ich kann für mich persönlich sagen, dass ich diesen Weg so nicht gewählt hätte», sagte Chemnitz-Präsidentin Romy Polster in der «Bild» (Montag).

Robert Marien, Vorstandsvorsitzender von Hansa Rostock, äußerte ebenfalls Unverständnis. «Unser aufrichtiges Beileid an die Familie. Aber die Art und Weise, so etwas zu lancieren und die Ankündigung, es zu veröffentlichen, lässt sich streiten», sagte der 39-Jährige. Rostock zählt zu den Clubs, die die Saison ohne Zuschauer fortsetzen wollen.

Nach Informationen der «Rheinpfalz» (Samstag) ist der Vater eines Waldhof-Profis an Covid-19 gestorben. Die Zeitung beruft sich dabei auf eine E-Mail von Kompp, in welcher dieser den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und andere Drittliga-Clubs über den Todesfall informiert hat. Weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass es bei Geisterspielen zu weiteren Infektionen und möglicherweise zu Todesfällen kommen kann, spricht sich Mannheim für einen Abbruch der aktuellen Spielzeit aus. Waldhof steht auf dem zweiten Tabellenplatz und könnte bei einem Abbruch in die 2. Liga aufsteigen.

Unterdessen hat sich der Oberbürgermeister von Halle vorerst gegen Geisterspiele ausgesprochen. Bernd Wiegand (parteilos) sagte laut der «Mitteldeutschen Zeitung» in einer Videopressekonferenz, dass es «eine Sonderstellung des Fußballs» hinsichtlich der Lockerungsmaßnahmen nicht geben werde. Geisterspiele seien nach aktuellem Stand «mit den vorgegebenen Regeln zu Abstand und Sicherheit nicht zu verantworten». Zuvor hatte sich Wiegand vor Ort ein Bild von den Bedingungen im Stadion des Drittligisten Hallescher FC gemacht.

Der HFC gehört zu jenen mindestens acht Vereinen, die sich für ein vorzeitiges Saisonende aussprechen. «Problematisch sind nach unserer Beurteilung die Ausnahme vom Kontaktverbot bei Spielern auf dem Platz, die abweichende Regelung zur Einzelquarantäne und die in unserem Stadion schwierig umsetzbaren räumlichen Anforderungen und Abtrennungen», sagte Präsident Jens Rauschenbach der Zeitung. Der Unternehmer war selbst an Covid-19 erkrankt, ist inzwischen genesen.

Pikant wird die Entscheidung der Stadt jedoch, weil es nicht das erste Mal ist, dass Bürgermeister Bernd Wiegand Einfluss auf den größten Sportverein der Saalestadt nimmt. So nutzte Wiegand ab der Saison 2017/18 seinen Einfluss, um Veränderungen in der Führungsebene des Klubs zu veranlassen. Mit Jens Rauschenbach übernahm einer seiner engsten Vertrauten das Amt im Frühjahr 2019. So ist es wahrscheinlich, dass Wiegand in der aktuellen Diskussion dem Klub geholfen hat, seine sportlichen Wünsche mit der politischen Brechstange durchzusetzen.