Für Union und Christian Gentner (l.) bedeutet das Cas-Urteil nicht Gutes. Hertha und Marko Grujic könnten dagegen profitieren.  Foto: Imago Images

Es ist das größte Fußball-Beben seit dem Bosman-Urteil vor 25 Jahren! Der Sportgerichtshof Cas erklärt das Financial Fairplay (FFP) für tot, Scheich-Klub Manchester City darf weiter fröhlich misswirtschaften. Die Botschaft ist ganz klar: Der Fußball ist käuflich.

Schwerer Schlag für alle Fußball-Puristen, die noch an das Gute geglaubt haben: Statt 30 Millionen Euro zu zahlen und zwei Jahre von sämtlichen Europapokal-Wettbewerben verbannt zu sein, kommt ManCity mit einer läppischen Geldstrafe von zehn Millionen Euro davon. 

Das Urteil des Cas beerdigt das FFP und ist ein Freifahrtschein dafür, das Superreiche im Fußball tun und lassen können, was sie wollen. 2011 hatte die Uefa das FFP eingeführt. Jeder Klub sollte nur so viel ausgeben dürfen, wie er einnimmt. 

Doch lange passierte nichts. Den größten Exzess leistete sich seit 2008 ManCity, das damals von Abu-Dhabi-Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan gekauft wurde. Die Engländer wollten raus aus dem Mittelmaß, investierten seitdem unfassbare 1,69 Milliarden Euro für 90 Zugänge. Gleichzeitig erlöste der Klub Transfereinnahmen von 555 Millionen Euro. Unter dem Strich steht das weltweit höchste Defizit von 1,14 Milliarden Euro. 

Summen, die die Uefa endlich veranlassten, das FFP umzusetzen. Die Fußball-Welt staunte, als im Februar hart durchgegriffen und ManCity für zwei Jahre gesperrt wurde. Die Plattform Football Leaks enthüllte, wie City und der Schummel-Scheich tricksten und über Jahre direkte Zahlungen des Königshauses als Sponsoreneinnahmen vortäuschten. 

Nun macht der Cas allen Bemühungen einen Strich durch die Rechnung. Die Beweise seien unzureichend, Taten verjährt. Ein Freispruch, den sich City durch teure Anwälte erkaufte und Coach Pep Guardiola jubeln ließ. Statt dem drohenden Ausverkauf seines Kaders, darf der Ex-Bayern-Trainer weiter auf Shopping-Tour gehen. Koste es, was es wolle.  

Nur Stunden nach dem Urteil tauchten die ersten Gerüchte auf. Ganz oben auf der Liste stehen zwei Bayern-Stars. David Alaba und Thiago sollen City endlich den so lange ersehnten Champions League Titel bescheren. 

Und auch für die Berliner Klubs hat das Cas-Urteil Konsequenzen. Hertha muss sich mit den 376 Millionen Euro von Investor Lars Windhorst keine Sorgen mehr um einen ausgeglichenen Haushalt machen. Einnahmen in Höhe von rund 20 Millionen Euro wie durch den Verkauf von Valentino Lazaro im Vorjahr sind nicht in Sicht. Dafür investierten die Blau-Weißen bereits im Winter 80 Millionen Euro in vier Spieler, weitere sollen diesen Sommer folgen, wenn der Transfermarkt am Mittwoch öffnet. 

Für Union macht das Cas-Urteil die Sache nicht leichter. Die nicht im Geld schwimmenden Eisernen spüren wie die meisten kleinen Klubs die Folgen der Corona-Krise noch härter. Die Schere zwischen Arm und Reich, der Rückstand auf die Top-Klubs wird noch größer, wenn das FFP nicht mehr gilt. Einziger Hoffnungsschimmer: Wenn viel Geld im Umlauf ist, könnte auch etwas an der Wuhle ankommen. Die begehrten Spieler Sebastian Andersson oder Marius Bülter werden zwar nicht für City spielen. Aber über mehrere Ecken könnte auch ein Teil der Scheich-Millionen in Köpenick landen.