Viele Fans sind zwar ganz heiß auf das Derby zwischen Union und Hertha, manche haben wegen Corona aber auch ein mulmiges Gefühl.  Imago

Ausgerechnet jetzt! Die Entscheidung für ein volles Stadion im Berliner Derby bei rasant steigenden Corona-Zahlen und bekanntem Krawall-Risiko sorgt für Diskussionen. Union, Hertha und die Berliner Politik setzen auf die Vernunft der Fußball-Fans.

Diesmal sind Leuchtraketen aus dem Fanblock nicht die größte Sorge. Die Bedrohung ist unsichtbar und doch allen bekannt. Die Entscheidung, trotz Corona-Rekordzahlen ausgerechnet für das brisante Berliner Derby zwischen dem 1. FC Union und Hertha BSC wieder die maximale Zuschauerzahl zu erlauben, sorgt in der Hauptstadt für Diskussionen. Experiment? Profit-Gier? Oder endlich wieder reine Fußball-Freude unter bestmöglichen 2G-Regeln? Die Meinungen gehen vor dem Bundesliga-Duell am Samstag (18.30 Uhr/Sky) weit auseinander.

Hertha- und Union-Fans sind gespalten

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Beim letzten Derby zwischen Union und Hertha mit Zuschauern flogen 2019 Leuchtrakten aus dem Gäste-Block auf das Spielfeld.

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„Es ist schon geil, ein volles Stadion zu haben. Die Stimmung ist geil. Da wird schon was abbrennen. Aber natürlich hat man im Hinterkopf, dass die Zahlen im Moment wieder rasant nach oben gehen“, sprach Herthas Vize-Kapitän Niklas Stark am Mittwoch vom Zwiespalt der Gefühle.

Den spüren auch die Fans: „Es kommt einem komisch vor, richtig komisch“, sagte Hertha-Anhänger Klaus in einem Beitrag des rbb-Inforadios. Er gab damit die Meinung vieler Berliner, egal ob Union-rot oder Hertha-blau, wider. Während an Schulen auch kleine Kinder wieder Masken tragen müssen, sorgt die Vorstellung von 22.012 Fans im engen Stadion An der Alten Försterei für Unbehagen. Die Inzidenz stieg in Berlin am Mittwoch auf 339.

„Unser Ziel bleibt auch weiterhin die Durchführung von Sportveranstaltungen vor Publikum mit möglichst wirksamen Infektionsschutzmaßnahmen“, sagte Unions Geschäftsführer Oskar Kosche. Die Eisernen arbeiteten in der ganzen Pandemie-Zeit immer wieder als Vorreiter an Zuschauerkonzepten. Bei der Hertha heißt es: „Wir freuen uns auf ein Derby vor bestmöglicher und stimmungsvoller Kulisse, ohne dabei die pandemische Lage aus den Augen zu verlieren“, sagte Thomas Herrich als Mitglied der Geschäftsleitung.

Derby als Testversuch? 

Den Segen gab die Politik: „Wir alle sehen die Herausforderungen, vor die uns die vierte Welle stellt. Solidarisches und verantwortungsbewusstes Handeln ist das Gebot der Stunde. Darüber sind sich alle im Klaren. Wir alle wollen ein tolles Derby sehen“, sagte Sportstaatssekretär Aleksander Dzembritzki. Fans und Vereine hätten „es in der Hand, das Beste daraus zu machen.“ Das klingt ein bisschen nach Daumen drücken, dass auch alles gut geht.

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Nur einmal konnten Fans bislang beim Derby im Stadion sein. Corona machte danach drei Stadt-Duelle in der Bundesliga zu Geisterspielen. Die Erinnerungen an den 2. November 2019 sind dennoch nicht nur positive. Feuerwerkskörper flogen auf den Platz, Pyro-Fackeln brannten in beiden Lagern. Ein Platzsturm nach dem 1:0-Sieg der Eisernen eskalierte auch dank tatkräftiger Hilfe von Union-Schlussmann Rafal Gikiewicz nicht.

„Es ist auf jeden Fall ein Thema, es ist nicht unser Thema, das muss man auch sagen. Wir sind konzentriert auf das Spiel, das müssen wir auch sein“, sagte Stark zum Krawall-Risiko. „Was da passieren wird, weiß man im Vorfeld nicht. Wir dürfen uns nicht ablenken lassen“, forderte der Verteidiger.

Union und Hertha Ultras nicht dabei 

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2019 sorgten die Ultras durch das Abrennen von Pyrotechnik und das Abschießen von Leuchtraketen für eine Spielunterbrechung. 

Ohne Corona wäre die Sicherheitslage der rivalisierenden Fan-Lager das Top-Thema abseits des sportlichen Geschehens. Die Berliner Polizei bereitet sich jedenfalls auf einen heißen Derby-Samstag vor. Am Donnerstag wird es eine spezielle Lageplanung geben. Die Erfahrungen sind frisch. Erst vor zwei Wochen waren mehr als 2000 Polizisten im Einsatz, um beim Spiel der Conference League zwischen Union und Feyenoord Rotterdam (1:2) vor allem gewaltbereite Fans aus den Niederlanden unter Kontrolle zu halten.

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„Alle sind sich ihrer Verantwortung für ein sicheres Fußballspiel bewusst. Die erfahrene Berliner Polizei wird auch dieses Derby eng begleiten“, sagte der Staatssekretär für Inneres, Torsten Akmann. Zumindest im Stadion könnte für Entspannung sorgen, dass die Ultras beider Clubs ihren Arena-Boykott reaktivieren, da durch die 2G-Regeln ungeimpfte Mitglieder ihrer Gruppen ausgeschlossen werden.

Maskenpflicht und Alkoholverbot

Corona wird die Polizei sicher nicht stoppen können. Die Vereine freuen sich aber über die Vollauslastung als wichtiges Zeichen auch in schweren Zeiten und setzen neben den „vorgegebenen klaren Regeln zusätzlich auch auf die Eigenverantwortung der Stadionbesucher“, wie es in einer Union-Mitteilung heißt.

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Am Dienstag hatte der Senat die Regeln festgelegt: Rein kommt nur, wer geimpft oder genesen ist. FFP2-Masken sind auf allen Zuwegen zu tragen. Alkohol wird nicht ausgeschenkt. Union und Hertha fordern ihre Fans zusätzlich auf, sich am Spieltag selbst zu testen und auch auf den Plätzen die Masken nicht abzusetzen. Ihre anstehenden Mitgliederversammlungen werden beide Vereine in den kommenden Wochen allerdings als virtuelle Veranstaltungen ohne anwesendes Publikum organisieren.

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