Die beiden Wunschkandidaten als Nachfolger von Jogi Löw: Jürgen Klopp (l.) und Hansi Flick. Foto: Imago/Jan Huebner

Früher war alles besser. Geregelt eben. Wenn der Bundestrainer ging, übernahm sein Assistent diese Rolle. Helmut Schön folgte auf Sepp Herberger, Jupp Derwall auf den gebürtigen Dresdner. Selbst Berti Vogts war im Trainerstab des Kaisers, als Franz Beckenbauer 1990 in Rom den WM-Titel holte. Fast schon in Vergessenheit geraten ist, dass Jogi Löw auch in diese Reihe passt. Beim Sommermärchen 2006 war er „nur“ der Adlatus hinter einem gewissen Jürgen Klinsmann. Wäre dieses Handeln allgemeingültiges Prinzip, müsste der künftige Bundestrainer Marcus Sorg heißen.  

Ausgeschlossen werden kann das nicht. Zu dem Warum kommen wir später. Zuvorderst steht natürlich erst einmal die Frage, welche Rolle Löw bis einschließlich der EM 2021 noch spielen kann? Er muss nicht zwingend zur „lame duck“ werden. Oh contraire! Da er jetzt keinem gegenüber mehr rechenschaftspflichtig ist, sondern nur sich selber und dem Erfolg, kann er alles für sein Projekt erster EM-Titel seit 25 Jahren aufwenden. Das heißt, er kann seine Fehler korrigieren, Thomas Müller & Co. zurückholen und bei dem Turnier letztmals in vollem Glanz erstrahlen. Wenn er die Todesgruppe mit Europameister Portugal, Weltmeister Frankreich und Ungarn übersteht, kann das so viel Schwung verleihen, dass es zum Titel führt. Zumal das Wissen um seine Demission das Team zu einem Haufen zusammenschweißen könnte, der alles noch mal raushauen will. Europameister waren die Neuers, Müllers & Co. ja noch nicht. 

Doch was dann? Die große Lösung stellt sich derzeit schwierig dar. Jürgen Klopp dementierte gefühlt noch bevor der Abschied von Jogi bekannt gegeben war. „Ich werde im oder nach diesem Sommer nicht als möglicher Bundestrainer zur Verfügung stehen. Ich habe ja einen Job. Im Leben geht's immer um Timing. Wenn es nicht passt, muss man sich nicht aufregen, sondern mit den Umständen umgehen. Das ist mir noch nie schwer gefallen“, so der Erfolgstrainer des derzeit mächtig vor sich hin schwächelnden FC Liverpool. 

Joachim Löw zusammen mit Marcus Sorg und Stefan Kuntz beim Betrachten eines Ligaspiels. Foto: Imago/Jan Huebner

Damit wird der Ruf nach Hansi Flick lauter. Doch was soll den Bayern-Trainer reiten, um jetzt - die Betonung liegt auf jetzt! - seinen Traumjob zu schmeißen und den Sessel an der Isar mit dem am Main zu tauschen? Der FC Bayern ist noch nicht am Ende der Fahnenstange. Trotz des Umbruchs sind sie in Europa an der Spitze und der Traum von der Verteidigung des Champions-League-Thrones - gelang bisher nur Real Madrid - ist keine Unmöglichkeit. Und ein Thomas Tuchel hat gerade richtig Spaß mit Chelsea in der Premier League. Der - zumal ein schwieriger Charakter - wird auch mit Sicherheit nein sagen.  Flick oder Klopp - darauf wird es hinauslaufen. Aber später. 

Platzhalter oder entwicklungsfähige Lösung?

Hieße im Hier und Jetzt einen Platzhalter installieren. Denn der DFB wird wohl kaum auf einen Ausländer setzen. Was uns zurückbringt zu Sorg. Doch dessen Wirken in höheren Gefilden ist arg überschaubar. Die Stuttgarter Kickers, ein bisschen SSV Ulm  und Freiburg in der Bundesliga. Ein Befähigungsnachweis für das höchste deutsche Traineramt ist das nicht. 

Bliebe ein Ralf Rangnick, der allen anderen ja stets und gerne das Gefühl gibt, den Fußball erfunden zu haben. Befähigt für diesen Job hält er sich bestimmt. Der Rest der Republik eher weniger. Und Platzhalter möchte der bei seinem ausgeprägten Ego eher auch nicht spielen. 

Es sollte daher kaum überraschen, wenn es am Ende auf Stefan Kuntz hinausläuft. Der jetzige U21-Trainer kennt den DFB seit 2016 auch von innen, macht bei der höchsten deutschen Juniorenauswahl einen verdammt guten Job (U21-Titel  2017 in Polen).  Und es hätte den Charme, dass er sowohl als Platzhalter einspringen wie auch über diese Rolle hinauswachsen könnte.