Kein Flieger am Himmel: Robert Lewandowski und Co. mussten bis zum Samstagmorgen auf ihren Flug nach Doha warten. Foto: Imago/Action Pictures

Eigentlich hatte der FC Bayern sein Spiel gegen Hertha BSC um eine halbe Stunde vorverlegt, um früher zur Klub-Weltmeisterschaft aufzubrechen. Doch daraus wurde offenbar nichts. Der Flieger des deutschen Rekordmeisters hatte offenbar zunächst keine Starerlaubnis. Am BER müssen Verspätungen wohl einfach eingeplant werden.

Lesen Sie auch: Der KURIER-Newsblog zur Schneewalze - ständig aktualisiert >>

„Wegen verweigerter Starterlaubnis hebt der FC Bayern jetzt mit mehr als siebenstündiger Verspätung zur FIFA Klub-WM nach Doha ab“, twitterte der Verein am Samstagmorgen. Noch am Abend zuvor war der deutsche Rekordmeister nach dem vorverlegten Spiel extra eilig aus dem Berliner Olympiastadion entschwunden, um schnell auf die arabische Halbinsel zu kommen. Die gute Laune, die die Spieler nach dem knappen 1:0-Sieg gegen die Hertha hatten, dürfte ihnen nach mehr als sieben Stunden Verspätung jedenfalls vergangen sein.

Lesen Sie auch: Schade Hertha, da war gegen Bayern ein Punkt drin >>

Die Spieler hatten am späten Abend bereits in der Maschine Platz genommen. Entsprechende Fotos veröffentlichten die Bayern in den Sozialen Medien. Doch dann ging es nicht los, sondern erst am Samstagmorgen. „Aus unserer Sicht sprach nichts dagegen, dass die Maschine wie geplant abhebt“, sagte Flughafensprecherin Sabine Deckwerth am Sonnabend. Gegen 23 Uhr sei die rund 80-köpfige Gruppe des FC Bayern am BER eingetroffen, hieß es bei der Flughafengesellschaft. Während sie die Kontrollen passierte, liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. In der Regel dauert es 20 Minuten, ein Flugzeug zu enteisen - in diesem Fall schaffte man es in 16 Minuten. Die Spieler waren rechtzeitig am Gate. Die Maschine rollte zur Nordbahn des BER. Dort stand das Flugzeug und wartete auf die Startfreigabe. Es war 23.59 Uhr, eine Minute vor Mitternacht. Kurz vor knapp.

Doch vom Tower der Deutschen Flugsicherung (DFS) kam eine negative Nachricht. Grund war, dass es die Maschine bis eine Sekunde vor Mitternacht nicht mehr geschafft hätte, die Startbahn rechtzeitig zu verlassen und vor 0 Uhr abzuheben, hieß es. Normalerweise darf am BER bis 23.30 Uhr gestartet werden – das wäre auf jeden Fall knapp geworden.

Um sicherzugehen, hatte man sich bei der Gemeinsamen Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg eine Ausnahmegenehmigung besorgt. Sie hätte es erlaubt, am Freitag bis 23.59 Uhr und 59 Sekunden am BER abzuheben – vor dem Nachtflugverbot, das sich dort von Mitternacht bis 5 Uhr erstreckt. Das Brandenburger Ministerium für Infrastruktur wacht darüber. Nach dessen Angaben erfolgte die Bitte um Startfreigabe für den Flug des FC Bayern München nach Katar aber erst um 0.03 Uhr.

„Der Lotse hat da keinen Ermessensspielraum“, sagte DFS-Sprecher Stefan Jaekel am Sonnabend dem KURIER. „Er ist an die Vorgabe der Luftfahrtbehörde gebunden, sonst bekäme er ein Problem. So sind die Regeln.“ Deshalb sei es auch im Fall des FC Bayern  nicht möglich gewesen, ein Auge zuzudrücken. Der Pilot war über den Behördenbescheid informiert worden.

Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hatte am frühen Morgen gegenüber der Bild so gar kein Verständnis dafür gezeigt. „Wir fühlen uns von den zuständigen Stellen bei der brandenburgischen Politik total verarscht“, sagte der 65-Jährige. „Die Verantwortlichen wissen gar nicht, was sie unserer Mannschaft damit angetan haben.“

Lesen Sie auch: Ärger bei der Fahrkartenkontrolle in Berliner S-Bahn: „Ich fühle mich abgezockt“ >>

Der FC Bayern tritt die Reise zur Vereins-WM mit einem 22-köpfigen Kader an, aber ohne den deutschen Nationalspieler Leon Goretzka und den Spanier Javi Martínez. Beide müssen wegen positiver Corona-Befunde pausieren. Nicht ausgeschlossen ist, dass sie noch nachreisen. Schon am Montag steht das Halbfinale an, für das der FC Bayern als europäischer Champions League-Sieger bereits qualifiziert ist. Der Gegner wird Al Ahly SC aus Ägypten sein. Das Endspiel steigt dann am Donnerstag.