Sportwetten-Anbieter so weit das Auge reicht: Alltag im Profi-Fußball. Imago

Lothar Matthäus tut es, Oliver Kahn ebenso. Und auch der 1. FC Union und Hertha BSC sind dabei. Das Engagement von Sportwetten-Anbietern als Sponsoren im Sport ist für alle Beteiligten offenbar zu lukrativ, um sich gegen das abhängig machende Glücksspiel zu stellen. Englands Drittligist Bolton Wanderers juckt das viele Geld nicht und wagt nun den Aufstand.

Künftig will der Klub lieber Hilfsorganisationen im Kampf gegen Wettsucht unterstützen, wie der frühere Erstligist mitteilte. „Glücksspielsucht ruiniert Existenzen, und wir haben diese Haltung eingenommen, um unsere Unterstützung für diejenigen zu zeigen, die an Wettsucht leiden“, sagte Aufsichtsratschefin Sharon Brittan der Mitteilung vom Donnerstagabend zufolge.

60.000 Jugendliche abhängig

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Brittan betonte, der Klub werde seine vertraglichen Pflichten erfüllen. So arbeitet der Ligaverband EFL, der die zweite bis vierte Liga ausrichtet, mit einem Sportwettenanbieter zusammen, nach dem die Spielklassen benannt sind.

„Wir erkennen an, dass einige Leute wetten möchten und dass die Liga eine kommerzielle Partnerschaft mit einem Glücksspielunternehmen hat und wir respektieren dies“, sagte Klubchef Neil Hart. „Wir werden jedoch an keiner Aktivität zur Förderung des Glücksspiels außerhalb der bestehenden vertraglichen Anforderungen der EFL teilnehmen.“

12 von 18 Bundesligisten machen mit

Der Klub zitierte Daten, denen zufolge in Großbritannien Hunderttausende Menschen an Wettsucht leiden, darunter mehr als 60.000 Jugendliche zwischen elf und 16 Jahren. Die Fußballbranche müsse mehr tun, um zu helfen, forderte Brittan.

In Großbritannien treten Wettanbieter schon seit langem als Sponsoren im Fußball auf. Mittlerweile arbeiten auch der DFB und fast alle deutschen Profiklubs (12 von 18 Erstligisten) mit Sportwetten-Unternehmen zusammen.

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