Egidius Braun war von 1992 bis 2001 Chef des DFB. Jetzt verstarb er in seiner Heimatstadt Aachen. dpa

Fußball-Deutschland trauert um einen der beliebtesten DFB-Präsidenten, die es je gab. Egidius Braun ist im Alter von 97 Jahren gestorben. Keine Skandale in seiner Amtszeit, dafür immer ein großes Herz für die Schwächsten in der Gesellschaft. Das lebte „Pater“ Braun vor.

„Heute ist ein trauriger Tag für alle Fußballerinnen und Fußballer in Deutschland und Europa. Mit Egidius Braun verlieren wir einen besonderen Menschen, der sich mit den Möglichkeiten des Fußballs gerade für diejenigen eingesetzt hat, die Unterstützung und Zuwendung brauchen. Dabei trieb ihn insbesondere die Sorge um in Not geratene Kinder und Jugendliche“, sagte der neue DFB-Präsident Bernd Neuendorf.

Braun begann seine Funktionärskarriere im Fußball als Präsident des Verbandes Mittelrhein 1973 im Alter von 48 Jahren. 1977 wurde er Schatzmeister des DFB. Nach 15 Jahren in dem Amt stieg er zum achten Präsidenten des mitgliederstärksten Fußball-Verbandes der Welt auf. Er blieb bis zum 28. April 2001 DFB-Chef.

Bewegt durch Eindrücke im Waisenhaus „Casa de Cuna“ in Querétaro während der WM 1986 gründete Braun die Mexiko-Hilfe. 2013 erhielt er vom mexikanischen Botschafter den Verdienstorden „Águila Azteca“, den höchsten Orden Mexikos für ausländische Personen, die nicht Politiker sind.

Seit 2001 gibt es die Egidius-Braun-Stiftung, die heute noch alle zwei Jahre ein Benefiz-Länderspiel veranstaltet. Brauns Motto: „Fußball – Mehr als ein 1:0.“ Für Wolfgang Niersbach, einen seiner Nachfolger, war Egidius Braun „das soziale Gewissen des deutschen Fußballs“.

Mit Vogts Europameister 1996

Der ehemalige Bundestrainer Berti Vogts (l.) und Egidius Braun hatten auch mit Handys immer einen guten Draht zueinander. dpa

In seiner Amtszeit erlebte „Pater“ Braun einen Titel: den EM-Sieg 1996. Die Eindrücke der Weltmeisterschaften seiner Amtszeit sind jedoch getrübt. 1994 schickte Braun Nationalspieler Stefan Effenberg nach dessen Stinkefinger gegen die Fans nach Hause. Noch viel schwerer bedrückten Braun die Geschehnisse 1998, als deutsche Hooligans in Lens randalierten und den französischen Polizisten Daniel Nivel schwer verletzten.

Braun war passionierter Jäger und Fan von Alemannia Aachen. Er hatte Rechtswissenschaften und Philosophie studiert und sich vor seiner Karriere beim DFB als Kartoffelgroßhändler einen Namen gemacht. 2006 erlitt Braun einen Schlaganfall. In der Folge trat er nur noch selten in der Öffentlichkeit auf.

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