Ilkay Gündogan erzielte das 1:0 für Deutschland.  Foto: AFP/Fabrice Coffrini

Deutschland und die Nations League – das wird so schnell keine Erfolgsgeschichte. Sechs Spiele oder neun Stunden hat das Team von Joachim Löw in diesem Wettbewerb hinter sich, nach dem 1:1 (1:0) gegen die Schweiz wartet sie aber noch immer auf den ersten Sieg. Dabei schnuppern Kapitän Toni Kroos und Kollegen am ersten Dreier, nur kommt nach Gündogan ziemlich viel Schlendrian.

Etwas Besonderes haben Länderspiele gegen die Eidgenossen fast immer. Das erste Match überhaupt fand gegen sie statt, nach dem II. Weltkrieg hat es gegen sie den Wiederbeginn gegeben, in der Schweiz ist Deutschland 1954 zum ersten Mal Weltmeister geworden, zuletzt hatte es fünf Gegentore gehagelt. Diesmal ist es so, dass im Start-Team des Gastgebers sechs Akteure aus der Bundesliga stehen und drei weitere, die einst in Deutschland gespielt haben, während Löw mit Matthias Ginter, Niklas Süle und Leroy Sané nur ein Trio aus der Heimat aufbietet.  

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Angesichts dessen ist es fast logisch, dass mit Ilkay Gündogan ein Legionär trifft – nach Zuspiel von Ginter (gemeinsam mit Torhüter Bernd Leno gegenüber dem 1:1 gegen Spanien neu im Team) nimmt der Mittelfeldmann genau Maß (14.). Das sollte Sicherheit geben, zumal sich neben Toni Kroos vor allem Gündogan (überlegt, mit dem Auge für die Situation) um Struktur bemüht. So richtig Zug ist dennoch nicht im Spiel. Erstens, weil Julian Draxler eine dicke Gelegenheit auslässt (31., Yann Sommer pariert) und zweitens, weil Leroy Sané ein wenig zu ballverliebt wirkt und nicht immer den Nebenmann sieht. Sonst hätte ein eigentlich blitzsauberer Konter womöglich Sekunden vor der Pause mehr eingebracht als den Ballverlust.

So sicher wie die Führung vermuten lässt, ist das deutsche Spiel nämlich nicht. Zu oft und vor allem zu leicht kommen die Schweizer zu Chancen. Silvan Widmer prüft Leno mit einem Kopfball (24.), Renato Steffen scheitert am Fuß des Arsenal-Keepers (26.), Haris Seferovic trifft den Außenpfosten (35.), und einen Distanzschuss von Granit Xhaka lenkt Leno über die Latte (44.). Das hat vor allem in der Defensive nicht in jedem Moment was von Souveränität.

Was lange ungestraft bleibt, hält nicht ewig: Erst kommt Süle gegen Breel Embolo zu spät, dann grätscht Robin Goosens (viel weniger zu sehen als noch bei seinem Debüt drei Tage zuvor) ins Leere – Widmer hat leichtes Spiel zum 1:1 (58.). Kurios aus Schweizer Sicht: Widmer ist der einzige Spieler aus der Start-Elf, der tatsächlich in der Schweiz, nämlich in Basel, spielt. Das Dumme daran aus deutscher Sicht: Der Ausgleich kommt nicht aus heiterem Himmel, und es gibt außer Angriffchen nichts Überzeugendes mehr.

So bleibt es beim Warten auf den ersten Sieg, den es frühestens am 10. Oktober in Kiew gegen die Ukraine geben kann – dann wieder mit allen Bayern-Assen.