Jogi Löw grübelt beim Training. Wie kann er das vorzeitige EM-Aus verhindern? Foto: imago images/HMB-Media

Das letzte große Turnier für Jogi Löw fing mit einer 0:1-Pleite gegen Weltmeister Frankreich an. Sonnabend (18 Uhr) geht es gegen Europameister Portugal weiter und da könnte schon das EM-Aus drohen. Vieles sprücht nicht mehr für Löw. Es ist högschde Zeit, dass die Nationalspieler ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen.

Löw will Optimismus verbreiten, doch irgendwie wirken seine Sätze wie realitätsfremde Schönfärberei. Nach dem 0:1 gegen Frankreich sagt der scheidende Bundestrainer und setzt auf die Trainingsarbeit: „Da kann man schon noch das eine oder andere angehen. Das muss man auch machen.“

Katastrophale Ecken und Freistöße

Keine Durchschlagskraft in der Offensive, nur eine echte Torchance. Dazu katastrophale Ecken und Freistöße. Zur Erinnerung: Deutschland wurde 2014 Weltmeister, auch weil sechs der 18 Turniertore nach Standards fielen.

Dazu immer wieder Lücken in der Defensive mit der Dreier-Kette. Und überhaupt: Ein Spielsystem war nicht wirklich zu erkennen, obwohl die DFB-Elf mehr Ballbesitz hatte. Die Mängelliste ist lang. Kann das jetzt noch so schnell gegen Portugal gerade gebogen werden?

Erinnerungen an WM-Fiasko werden wach

Was sagte Löw vor knapp drei Jahren nach dem WM-Fiasko selbstkritisch? Genau das: „Mein allergrößter Fehler und meine größte Fehleinschätzung war, dass wir mit dem dominanten Ballbesitz zumindest durch die Vorrunde kommen. Das war arrogant, das auf die Spitze zu treiben, ich wollte den Ballbesitzfußball noch perfektionieren.“

Was sagte Löw 2018 nach der WM-0:1-Auftaktpleite gegen Mexiko? „Unsere Kombinationen nach vorne sind nicht so mit diesem Risiko, mit dieser Entschlossenheit gemacht worden. Wir müssen das nächste Spiel gewinnen. Ich bin überzeugt, dass wir eine Reaktion zeigen“, erklärte der Bundestrainer. Klingt alles ähnlich wie heute. Damals folgte ein glücklicher 2:1-Last-Minute-Sieg gegen Schweden, doch der Wurm blieb drin – 0:2 gegen Südkorea und raus.

Drei Jahre später ist der nächste Gegner Europameister Portugal – nicht Schweden. Dreier- oder Vierer-Abwehrkette? Joshua Kimmich rechts oder als Sechser? Lieber Leroy Sane oder doch gleich mit Leon Goretzka? Ilkay Gündogan gab ehrlich zu: „Ich weiß nicht, was im Kopf des Trainers vorgehen wird. Ob sich an der Formation etwas ändern wird. Wir haben zwei Systeme, die wir gut spielen können.“

Nein, eigentlich ist jetzt die Zeit dafür gekommen, dass die Spieler selbst Entscheidungen treffen. Vor dem Anpfiff und während des Spiels. Eine Lehrstunde für Eigenständigkeit, Willen und Erfolg gab es ja schon bei dieser EM. Italiens Mittelfeldspieler Manuel Locatelli schlug einen langen Pass nach außen, sprintete 70 Meter über den Platz und traf zum 1:0 gegen die Schweiz (Endstand 3:0). Unorthodox und effektiv einfach mal alle modernen Fußballsysteme überrumpelt. Überraschen können nur noch Spieler, keine Trainer …

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