Die Allianz Arena erstrahlte  bereits in der Vergangenheit in den Regenbogenfarben. Doch am Mittwoch darf sie das nicht. dpa/Tobias Hase

Irgendwie war es ja zu erwarten. Die Uefa hat der Stadt München untersagt, die Allianz-Arena am Mittwoch, wenn die deutsche Nationalmannschaft im dritten Gruppenspiel der EM 2021 die Ungarn empfängt, in den Regenbogenfarben leuchten zu lassen. Damit hat der europäische Fußballverband seine eigene „Respect“-Kampagne mit Füßen getreten und ist auf die Linie der homofeindlichen ungarischen Regierung eingeschwenkt.

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Regenbogen-Flagge in München: Die Uefa widerspricht ihren eigenen Prinzipien

Denn die Uefa begründet dieses Verbot damit, dass sie eine „politisch und religiös neutrale Organisation“ sei. Doch ist die Regenbogenflagge, die als Zeichen von Toleranz, Akzeptanz und die Vielfalt der Lebensformen steht, wirklich Politik im Sinne von Parteipolitik, oder ist sie eben nur der Ausdruck von Gleichheit unter den Menschen, wie ihn die Uefa in ihrer eigenen Kampagne behauptet, vorzulegen?

Die Uefa wirbt auf ihrer Homepage mit einer „Null-Toleranz-Politik gegenüber Rassismus, Sexismus, Homophobie und jeglicher Art von Diskriminierung“, doch im Ernstfall bleibt davon nichts übrig. Viel schlimmer, die Uefa tritt nicht nur die selbst gesteckten Grundsätze mit Füßen, sie schwenkt sogar auf die homofeindliche Linie der rechten Orban-Regierung ein, die die Gleichheit aller Menschen anzweifelt, als eine Art politische Propaganda diffamiert und sogar einen Nazi-Vergleich nicht scheut. Es dürfte schwer fallen, die „Respect“-Kampagne des Verbandes nun noch ernst zu nehmen.

Bei einer derart breiten Auslegung der politischen Neutralität müsste die Uefa auch eigentlich noch andere Schritte wagen. Schließlich werden in den Stadion zahlreiche Nationalflaggen geschwungen, ja vor den Spielen werden sogar Nationalhymnen gespielt. Beides gehört zu den wichtigsten Staatssymbolen, ihre Auswahl ist stets ein politischer Akt gewesen. Laut Uefa-Argumentation dürfte beides im Stadion nichts zu suchen haben. Doch da wird wohl mit zweierlei Maß gemessen.