Bestürzt über die Szenen, die sich vor und nach dem EM-Finale im Wembley-Stadion abspielten: Englands Verteidiger Harry Maguire. imago

Der Kater über das verlorene EM-Finale hält in England weiter an. Allerdings nicht nur aus sportlicher Sicht. Nachdem einige Witzbolde eine Petition starten, um die Finale-Pleite zu annullieren und das Endspiel erneut auszutragen, kommen jetzt immer mehr fiese Details ans Licht, was sich vergangenen Sonntag rund um das Wembley-Stadion abspielte. England, das sich für die WM 2030 bewerben will, droht mächtig Ärger.

Denn die Uefa hat nach den chaotischen Szenen am Finaltag ganz offiziell Ermittlungen aufgenommen. Neben einer saftigen Geldstrafe soll mindestens ein Heimspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. 

Was war passiert? Tausende Menschen hatte am Finaltag versucht, ohne Ticket in die legendäre Arena zu gelangen, durchbrachen Absperrungen und prügelten sich mit Ordnern. Zahlreiche Augenzeugen berichteten trotz angeblich massiver Sicherheitsvorkehrungen von völlig überfordertem Personal und mangelnder Polizeipräsenz.

Vater von Englands Harry Maguire wurde verletzt

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Die Bilanz liest sich entsprechend erschreckend: 53 Menschen wurden festgenommen, 19 Polizisten verletzt. Neben vielen unbeteiligten Fans kam auch der Vater von Englands Innenverteidiger Harry Maguire zu Schaden. Der Profi von Manchester United berichtete, dass sein Papa mit Verdacht auf Rippenbrüche behandelt werden musste.

Ein Eindringling gab der Zeitung The Guardian ein anonymes Interview – und offenbarte die kriminelle Energie der Chaoten. In Telegram-Gruppen hätten sie sich vorab organisiert, vor Ort dann sogar Ordner bestochen, um ohne Ticket ins Stadion zu kommen. Zudem habe man sich gezielt Eingänge ausgesucht, die für körperlich beeinträchtige Zuschauer größer und weniger durch Personal gesichert waren. 

5000 Menschen unerlaubt beim EM-Finale dabei?

Während die Uefa von rund 1000 Menschen spricht, die sich unerlaubt Zugang verschafft hätten, vermutet der Eindringling eine deutlich größere Zahl: „Ich wäre geschockt, wenn weniger als 5000 ohne Ticket hineingekommen wären.“

Zusätzlich zu diesen Ermittlungen muss sich der englische Fußballverband wegen unsportlichen Verhaltens (Ausbuhen der italienischen Nationalhymne), der Ausschreitungen gegenüber italienischen Fans nach Abpfiff und wegen des Flitzers, der während der Verlängerung auf den Rasen gelangte, verantworten.

Klar ist: Englands Werben um die Austragung der WM 2030 hat durch die hässlichen Szenen einiger Chaoten massiven Schaden genommen. 

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