Wen hat Flick wohl im Blick? Er wird wohl zunächst auf eine starke Bayern-Achse im Nationalteam bauen. Foto: dpa

Die Ära Löw ist nach 15 Jahren beendet. Bei der EM raus – ohne viel Applaus. Das Erbe ist schwer. Der neue Bundestrainer Hansi Flick muss ein wettbewerbsfähiges Nationalteam in nur 16 Monaten zusammenbekommen. Denn dann ist die Winter-WM in Katar. Hansi, bitte flick alles wieder zusammen.

Eine Mammutaufgabe, für die Rekordnationalspieler Lothar Matthäus schon ganz klar den Ablauf sieht: „Hansi will nicht alles auf ein Langzeitprojekt und die EM 2024 in Deutschland ausrichten, er will schon im Winter 2022 in Katar Erfolge feiern, Weltmeister werden.“

Sieben WM-Quali-Spiele bis November

Demnach fällt ein knallharter Umbruch aus, wird es einen fließender Wandel geben . Flick hat bei dem Programm, was noch bis Ende des Jahres bevorsteht, nur eine Wahl. Sieben WM-Quali-Spiele gegen Liechtenstein, Armenien, Island und Rumänien stehen an. Nur der Gruppenerste fährt nach Katar. Die DFB-Elf ist momentan nur Dritter!

Goretzka, Kimmich, Müller im Mittelfeld

Beim FC Bayern formte Flick die Sextuple-Siegermannschaft. Er wird aus diesen Spielern zunächst einen Münchner Block im Nationalteam etablieren, um überhaupt den Gruppensieg zu schaffen. Das heißt: Torwart Manuel Neuer, Verteidiger Niklas Süle, Leon Goretzka und Joshua Kimmich, Thomas Müller im Mittelfeld, so wie Serge Gnabry und der zuletzt hart kritisierte Leroy Sane für die Offensive sind gesetzt. Die Frage weitermachen oder aufhören bei Thomas Müller stellt sich nicht. Matthäus: „Thomas Müller wird nicht von sich aus seine DFB-Karriere beenden. Und Hansi ihn sicher nicht aussortieren.“

Für Toni Kroos von Real Madrid und Ilkay Gündogan von Manchester City, die bei der EM enttäuschten, wird wohl kein Platz mehr sein.

Wer wird neben Süle in der Abwehr spielen? Vieles deutet daraufhin, dass Flick – wie bei den Bayern – auf eine Vierer-Abwehrkette – zurückgreifen wird, weil die Spieler mit diesem System besser klar kommen. Antonio Rüdiger vom FC Chelsea wäre dann der zweite Innenverteidiger und Mats Hummels – wenn er noch weitermachen will – nur noch ein Back-Up für die beiden. Matthias Ginter von Borussia Mönchengladbach und Marcel Halstenberg von RB Leipzig sind erste Wahl als Außenverteidiger.

Flick muss zunächst ergebnisorientiert aufstellen. Doch wird er auch Experimente mit jungen Talenten wagen. Jamal Musiala (18) vom FC Bayern, Ridle Baku (23) vom VfL Wolfsburg und Florian Wirtz (18) von Leverkusen werden zunächst Jokerrollen bekommen.

Ein echter Mittelstürmer fehlt

Doch ein Problem wird Flick weiterhin haben: Es gibt keinen echten klassischen Mittelstürmer mehr, der quasi bei Knopfdruck knipst. Flick hatte bei Bayern Robert Lewandowski. So einen hat Deutschland momentan nicht. Dieses ist das größte Versäumnis von Löw in den vergangenen sieben Jahren gewesen. Er hat nie einen echten Nachfolger von Miro Klose aufgebaut. Vielleicht wird es ja irgendwann U21-Mittelstürmer Lukas Nmecha (22), der gerade bei RB Leipzig im Gespräch ist.

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