Jadon Sancho vergibt seinen Elfmeter im EM-Finale gegen Italien. AFP/Facundu Arrizabalaga

Wer unsere Welt beobachtet, der wusste, dass es so kommen musste. Im Finale der Fußball-EM 2021 gegen Italien vergaben die englischen Spieler Marcus Rashford, Jadon Sancho und Bukayo Saka im Elfmeterschießen ihre Versuche. Doch anstatt zu fragen, wieso zwei Spieler, die erst kurz zuvor eingewechselt wurden, und ein 19-Jähriger hier diese riesige Verantwortung schultern müssen, nutzten englische Fans das Elfmeterschießen für rassistische Attacken.

EM-Finale beginnt mit Kniefall beider Mannschaften

Das EM-Finale hatte mit einem Kniefall beider Mannschaften begonnen, um auf Rassismus aufmerksam zu machen. Wie bitter nötig das noch immer ist, zeigten nun die Reaktionen der englischen Fans nach den Fehlschüssen der Schwarzen Spieler Marcus Rashford, Jadon Sancho und Bukayo Saka. Im Netz wurden die drei Spieler massiv rassistisch beschimpft, ihre Eignung für die Nationalmannschaf aufgrund ihrer Hautfarbe in Frage gestellt, ihnen mit dem Tode gedroht. 

Der britische Fußballverband (FA) stellte sich derweil hinter seine Spieler. „Die FA verurteilt alle Formen von Diskriminierung und ist erschüttert über den Rassismus online, der in den sozialen Netzwerken auf einige unserer England-Spieler zielt“, heißt es in einer noch in der Nacht verbreiteten Stellungnahme. „Wir könnten nicht deutlicher machen, dass jeder, der hinter solch widerlichem Verhalten steckt, als Anhänger unseres Teams nicht willkommen ist. Wir werden tun, was wir können, um die betroffenen Spieler zu unterstützen und drängen zugleich auf die härtest möglichen Strafen für jeden, der verantwortlich ist.“

Rassismus-Attacken: Londoner Polizei ermittelt

Die Londoner Polizei habe demnach bereits Ermittlungen wegen beleidigender und rassistischer Nachrichten in den sozialen Netzwerken aufgenommen. 

Fußball-Experten hingegen, kritisierten nach dem verlorenen Elfmeterschießen vor allem England-Coach Gareth Southgate. Der hatte kurz vor dem Elfmeterschießen in Rashford und Sancho noch zwei Spieler gebracht, die im gesamten Tunier beinahe keine Rolle gespielt hatten und nun die Kohlen aus dem Feuer holen sollten. Sowohl Michael Ballack bei Magenta TV, als auch Per Mertesacker im ZDF kritisierten diese Entscheidung. Ebenso, wie die den erst 19-jährigen Saka zum entscheidenden Elfmeter antreten zu lassen. 

Mit Saka verbindet Southgate nun eine besondere Geschichte. Er selbst hatte im EM-Halbfinale 1996 den entscheidenden Elfmeter im Penaltyschießen gegen Deutschland vergeben. Nun baute er Saka demonstrativ auf: „Er ist ein super Junge“, sagte Southgate direkt nach dem Spiel. „Er hat ein unglaubliches Turnier gespielt, er wird ein Star werden. Wir müssen da sein, um ihn zu unterstützen und ihm zu helfen. Aber ich bin sicher, er wird auch von außen eine Menge Liebe bekommen.“ 

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Da hatte Southgate die Rechnung wohl ohne zahlreiche Rassisten unter den eigenen Fans gemacht.