Bilder, die kein Fußballfan der Welt jemals vergessen wird: Dänemarks Spieler bilden einen Sichtschutz für Christian Eriksen und beten für ihren Mitspieler. Imago

Auf dem Papier droht Dänemark bei der EM das Vorrunden-Aus. Die Hoffnung auf das Weiterkommen ist vor dem Spiel gegen Russland (Montag, 21 Uhr/ARD) dennoch groß. Ganz egal wie es ausgeht: Diese Dänen wird nach dem Drama um Christian Eriksen niemand mehr vergessen.

Damit dänische Fußballer weltberühmt werden, muss schon einiges passieren. So wie 1992: Weil Jugoslawien wegen Sanktionen kurz vor der EM ausgeschlossen wird, tauschen die Dänen kurzerhand ihre bereits ausgepackten Badeschlappen gegen Stollenschuhe, marschieren vom Strand durch das Turnier und schaffen durch den 2:1-Finalsieg gegen Deutschland die Sensation.

Neben dem unvergessenen Schlachtruf: „We are red, we are white, we are Danish dynamite!“ bleiben viele Stars bis heute in Erinnerung: Allen voran genießen Torwart Peter Schmeichel, Mittelfeldmann John „Faxe“ Jensen und Stürmer Brian Laudrup Heldenstatus.

Die ganze Mannschaft kämpfte um das Leben von Christian Eriksen

Diesen hat die gesamte Mannschaft von Trainer Kasper Hjulmand bereits sicher. Ganz egal wie das Spiel gegen Russland ausgeht. Durch das stundenlange Drama um Christian Eriksen, dass zum Glück ein positives Ende nahm, werden alle Dänen und alle Fußballfans weltweit diese Mannschaft nie mehr vergessen.

Eingebrannt haben sich die dramatischen Bilder, wie die Mannschaft im ersten Spiel gegen Finnland um Eriksens Leben kämpfte. Wie Kapitän Simon Kjaer noch auf dem Platz Erste-Hilfe-Maßnahmen einleitete, wie die Ärzte mit Herzdruckmassagen und mithilfe eines Defibrators Eriksen minutenlang probierten zurückzuholen, wie das gesamte Team sich im Kreis um ihren Kameraden stellte, gen Himmel um Hilfe betete. 

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Kumpel und Kapitän, wie er im Buche steht: Simon Kjaer war direkt für die Freundin von Christian Eriksen da.

Die Tränen der Spieler, die Tränen der Fans. Die besondere Stille im Stadion von Kopenhagen, die Gänsehaut-Gesänge der Zuschauer (auch die der Finnen), um Eriksen bloß nicht gehen zu lassen. „Ein Schock, der für immer Teil von mir – Teil von uns allen – sein wird“, erklärte Kjaer emotional aufgekratzt. Dankbar war der ehemalige Bundesliga-Profi für die weltweite Unterstützung: „Das waren ganz besondere Tage, an denen Fußball nicht die wichtigste Sache war. Das Einzige, was wirklich zählt, ist, dass Christian okay ist.“

Dänemark hofft auf einen Schub gegen Russland

So wild wie die Achterbahnfahrt der Gefühle war, so emotional wurde das Wiedersehen als Eriksen nach sechs Tagen aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Der Mittelfeldmann, dem eine Art Herzschrittmacher implantiert wurde, der ihn vor erneutem Herzkammerflimmern schützen soll, besuchte zusammen mit seinen beiden Söhnen, seiner Partnerin und seiner Mutter das Team. „Es war genau das, was wir alle gebraucht haben. Das war ein Gefühl von Liebe und Freude. Ihn dort mit seiner Familie zu sehen, war toll“, freute sich Mittelfeldspieler Christian Nörgaard.

Das Treffen, vor allem das Glück im Unglück soll nun wie ein Katalysator wirken, die großen Emotionen in große Energie wandeln. „Das gibt uns noch einen großen Schub vor dem Russland-Spiel“, erklärte Nörgaard. Die Fans werden nochmal alles geben und erneut für eine Gänsehaut-Atmosphäre sorgen. „Es sollen nur 25.000 Zuschauer sein, aber es hört sich an wie 75.000“, freut sich Torwart Kasper Schmeichel auf die Stimmung.

Auf dem Papier braucht Dänemark einen Sieg mit zwei Toren unterschied und einen Sieg Belgiens gegen Finnland, um sicher weiterzukommen. In Wahrheit hat dieses Team mit seinem Charakter längst Geschichte geschrieben. Denn diese Dänen wird niemand mehr vergessen.