Abheben, Gegner berühren, Elfmeter. Englands Raheem Sterling kam damit durch und es gab einen Witzelfmeter. Foto: dpa

Hat der Fußballgott ein kleines Nickerchen am Mittwochabend gemacht? 55 Jahre lang hatte er aufgepasst, dass England als Strafe für den unberechtigten WM-Titel 1966 durch ein Tor, das keines war, nicht mehr in ein Finale bei einem großen Turnier kommt. Wieder Wembley, diesmal kein Lattenschuss, der auf die Torlinie knallte, sondern eine Schwalbe, die zum umstrittensten Elfer der EM-Geschichte führte.

Sterling, der EM-Übelflieger

Raheem Sterling hob beim Halbfinale in der 102. Minute ab, suchte das Knie des Dänen Maehle und bekam den Strafstoß! Für jeden sichtbar, doch nicht mal die Videoprüfung hielt Schiedsrichter Danny Makkelie aus Holland davon ab, den Elfer nicht zu geben. Harry Kane traf im Nachschuss. Sorry, Sterling war der Überflieger der Three Lions, jetzt ist er der Übelflieger dieser EM!

Ex-Nationalspieler Michael Owen twitterte: „Nicht sicher, ob das ein Elfmeter war, aber wen interessiert’s?“ Antwort: Alle! Denn England gibt seit Jahren vor, dass sie Fairplay so lieben. Ausländische Spieler werden regelmäßig mit Pfiffen in der Premier League abgestraft, wenn sie Elfer schinden wollen. Nein, England hat das Fairplay im Herzen verloren.

Laserpointer gegen Torwart Schmeichel

Pfiffe bei der Nationalhymne des Gegners – geht nicht! Es gab sie immer wieder bei dieser EM, auch gegen Dänemark, einem Team, das vorher schon durch das Eriksen-Drama gelitten hat. Das ist einfach unanständig. Dänen-Torwart Kasper Schmeichel beim Elfer mit einem Laserpointer behindern – ekelhaftes Fanverhalten!

Fairplay, ein großes Wort! Es sollte eine paneuropäische EM sein. Doch ist es gerecht, dass England sechs von sieben Spielen in London austrägt, während alle anderen Teams quer über den Kontinent reisen mussten? Eine Bevorzugung der Briten hat bei der Uefa und Fifa Tradition. Kurze Zwischenfrage: Warum hat eigentlich ein Land im 21. Jahrhundert noch immer vier Nationalteams? Das traut sich nicht mal das IOC, bei Olympia tritt Großbritannien an.

Beim WM-Finale 1966 schoss Stürmer Geoff Hurst an die Latte, der Ball prallte auf den Boden, aber nicht hinter die Linie. Trotzdem wurde es als Tor zum 3:2 gezählt. Deutschland verlor am Ende 2:4. Foto: dpa

Ist es vernünftig, dass in dem Land, welches am stärksten von der Pandemie in Europa betroffen ist, die meisten Zuschauer ins Stadion kommen? Mit aller Gewalt wollen sie den Titel, mit aller Gewalt wollten sie den Elfmeter.

Der Fußballgott muss wieder wachsamer werden. Sonntag beim Endspiel wünsche ich mir nur Eines: Liebe Italiener, schießt ein echtes Wembley-Tor – von der Latte hinter die Torlinie! Ich will einen würdigen Europameister.

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