Deutschlands Robin Gosens trifft mit einer sehenswerten Flugeinlage aus einem schier unmöglichen Winkel gegen Portugal. Zählte zwar nicht, war aber trotzdem schön. Imago

Alle fiebern der EM-Endrunde entgegen. Grund genug, um nach der Vorrunde ein Zwischenfazit zu ziehen. Passiert ist jede Menge: Kurioses, Peinliches, Verrücktes, Tolles und vor allem Emotionales. Der KURIER hat die bisherigen Highlights gesammelt.

Die schönsten Tore

Fangen wir mit dem an, was das Herz eines jeden Fußball-Fans am höchsten schlagen lässt: Tore, Tore, Tore. Das schönste erzielte Deutschlands Robin Gosens (Foto) gegen Portugal. Artistisch lag der Italien-Legionär in der Luft, hämmerte per Seitfallzieher aus schier unmöglichem Winkel den Ball in die Maschen. Das Blöde: Das Tor zählte nicht, weil Gosens hauchdünn im Abseits stand. Direkt dahinter auf Platz 2 landet Tschechiens Patrik Schick mit seinem 45-Meter-Kunststück gegen Kroatien. Aufs Treppchen schoss sich auch Kroatiens Luca Modric, der mit feinem Außenrist-Schlenzer die Schotten schockte.

Die größten Flops

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Englands Harry Kane kann es nicht fassen. Trotz Superform will dem Noch-Tottenham-Star bei der EM partout nichts gelingen.

Wo viel Licht ist, gibt es auch viel Schatten. Auf Platz 1 der größten Vorrunden-Flops stolpert Englands vermeintlicher Super-Stürmer Harry Kane durch das Turnier. Trotz seiner 33 Tore in 49 Saisonspielen für Tottenham, im Trikot der Three Lions wirkt Kane wie ein Fremdkörper. Die Konsequenz: 0 Tore in sieben EM-übergreifenden Spielen. Wie im falschen Film fühlt sich auch Kane-Kollege Jadon Sancho. Dortmunds umworbener Tempodribbler feierte zwar endlich sein EM-Debüt, durfte aber trotz zweier Corona-Ausfälle gegen Tschechien nur für mickrige sechs Minuten ran. Dazwischen schiebt sich nur Hakan Calhanoglu, der lediglich mit seinem Von-AC-zu-Inter-Wechsel für Schlagzeilen sorgte, die Türkei aber nicht vor drei Pleiten bewahren konnte.

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Die tollsten Rekorde

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Portugals Cristiano Ronaldo bleibt auch im hohen Alter eine Maschine und stellt bei der EM einen Rekord nach dem anderen auf.

Dafür purzelten bei der EM bereits zahlreiche Rekorde. Portugals Cristiano Ronaldo hat sein Denkmal als Ausnahmekönner weiter zementiert, thront mit mittlerweile 12 EM-Toren einsam an der Spitze. Eine jahrzehntelange Bestmarke knackten die Italiener: Als erstes Team überhaupt gelang es, alle drei Gruppenspiele ohne Gegentreffer zu gewinnen. Die Null steht sogar seit satten 1055 Minuten (fast 12 Spiele). Kurioses steuerte Luka Modric bei: Kroatiens jüngster EM-Torschütze aller Zeiten (22 Jahre, EM 2008) ist seit seinem Schotten-Schlenzer auch der älteste (35 Jahre).

Die kuriosesten Eigentore

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Verdammt unglücklich und entsprechend kurios: Finnland-Keeper Lukas Hradecky drückt den Ball mit dem Bauch ins eigene Tor.

Apropos kurios: Bisher staunten die Fans über acht Eigentore. Nie gab es mehr bei einer EM. Für den größten Lacher sorgte dabei Finnlands Torhüter Lukas Hradecky. Nach einem Eckball griff er gegen Belgien daneben, bugsierte den Ball mit dem Bauch und einer Ping-Pong-Parade über die Linie. Mats Hummels Missgeschick gegen Frankreich toppten nur die Portugiesen, die gegen die DFB-Elf gleich zweimal ungeschickt zur Stelle waren.

Die größten Deppen

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Lieferte bei der EM einen Uli-Hoeneß-Gedächtnismoment: Gareth Bale ballerte einen Elfmeter für Wales gegen die Türkei weit über das Tor.

EM-Erinnerungen an Uli Hoeneß und an die Nacht von Belgrad (1976) lieferte der Waliser Gareth Bale im zweiten Spiel gegen die Türkei. Bale ballerte einen Elfmeter mit so viel Schmackes über das Tor, dass man in Baku angeblich bis heute noch den Ball sucht. Unglücklich agierte auch Polens Grzegorz Krychowiak, der sein Team durch seine frühe Gelb-Rote Karte beim 1:2 gegen die Slowakei schwächte. Unterirdisch verhielt sich dagegen Russland-Trainer Stanislaw Tschertschessow, der kein Verständnis für das Knien der Belgier als Zeichen gegen Rassismus übrighatte.

Die magischsten Momente

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Singen für Christian Eriksen: Die dänischen Fans sorgen nach dem Drama um ihren Mittelfeldspieler für Gänsehaut-Atmosphäre bei der EM.

Für die schrecklichsten und schönsten Bilder sorgte Dänemark. Das stundenlange Drama um Christian Eriksen hielt die Fußball-Welt in Atem. Auf die Erlösung folgten unzählige magische Momente des Glücks: Die Verbrüderung der Fans, das Singen für Eriksen und nicht zuletzt die vielen Gänsehaut-Bilder, die das dänische Team und alle Fans mit ihrer Willenskraft nach dem 3:1-Sieg gegen Russland produzierten.

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