Joshua Kimmich ist eigentlich die erste Wahl als rechter Außenverteidiger, obwohl er lieber im Mittelfeld spielt.  Foto: Winter

Angekommen im EM-Camp in Herzogenaurach, abgeschottet von Spionen durch einen Sichtzaun beginnt für die Nationalmannschaft jetzt der Feinschliff im Adi-Dassler-Stadion. Dienstag startet für die DFB-Elf die Europameisterschaft gegen den schwersten Gegner – Weltmeister Frankreich. Bundestrainer Jogi Löw muss bei seinem letzten Turnier von Anfang an alles richtig machen.

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Es scheint, als hätte sich die Startelf beim 7:1 gegen Lettland herauskristallisiert. Das heißt: Joshua Kimmich spielt als rechter, offensiver Verteidiger und nicht mehr als Sechser im vor der Abwehr. Mangels Alternativen auf der rechten Seite bleibt Löw eigentlich gar nichts anderes übrig.

Doch noch ist sich der Bundestrainer nicht ganz sicher, ob er diese Umstellung macht. Kimmich selbst hat damit kein Problem und sagt: „Wir vertrauen dem Trainer, dass er zum Spieltag das beste Team und das beste System auf den Platz bringt.“

2014 spielte Lahm auch erst im Mittelfeld

Alter Trainer, altes Problem. Denn das kommt einem irgendwie bekannt vor. Wie war das noch bei dem WM-Titel 2014? Da ging es um Philipp Lahm. Ganze vier Spiele versuchte es Löw mit Lahm als Sechser. Überzeugend war der Kapitän in der Rolle nie. Jeder sah es, doch Löw reagierte erst ab dem Viertelfinale beim 1:0 gegen Frankreich. Erst da begann der überzeugende Durchmarsch zum Titel.

Ja, gegen Frankreich kam die endgültige Umstellung. Es ist ein Wink mit dem Zaunpfahl für den EM-Auftakt, um gleich alles richtig zu machen. Korrekturen machte Löw schon öfter, wenn er sich verzockt hatte. Bei der EM 2012 wunderten sich alle, als der Bundestrainer im Halbfinale gegen Italien Marko Reus und Miro Klose, die vorher gegen Griechenland getroffen hatten, draußen ließ. Nach 0:2-Rückstand zur Pause, brachte er beide dann doch. Die zweite Halbzeit lief besser reichte aber nicht. Endstand 1:2, EM-Aus!

Feinschliff in Herzogenaurach

Viel langsamer reagierte er bei der Rückkehr von Thomas Müller und Mats Hummels in die Nationalelf. Seine Personalentscheidung revidierte Löw erst zweieinhalb Jahre später, obwohl alle lange Zeit vorher sahen, dass die beiden erfahrenen Spieler gebraucht werden.

Löw wird in Herzogenaurach noch mal einen Crashkurs machen. Videoanalysen, taktisches Verschieben, Laufwege, Pässe – Alles wird geübt. Doch die Entscheidung, wo Kimmich spielt, muss er alleine treffen. Denn das wird für den scheidenden Bundestrainer der härteste Turnierauftakt seiner 15-jährigen Amtszeit. Löw: „Frankreich ist einfach individuell überragend gut besetzt und unglaublich variabel. Die Franzosen sind extrem schwer auszurechnen. Frankreich ist absolut auf Top-Niveau. In jeder Beziehung.“