Zwei, die sich verstehen: Italiens Kapitän Giorgio Chiellini und Nationaltrainer Roberto Mancini. Foto: Imago Images/Nellafoto/Buffa

Rustikal mit den Füßen, aber im Kopf ein Gedanken-Artist. Italiens „Dr. Grätsche“ Giorgio Chiellini (36) steht vor dem größten Triumph seiner Karriere. Am Sonntag nach dem Endspiel gegen England (21 Uhr, ZDF) will er als Kapitän der Squadra Azzurra den Henri-Delauney-Pokal, die Trophäe des Europameisters, in den Londoner Nachthimmel heben. Vorher überrascht der Innenverteidiger aber schon mal alle – mit Worten.

In einem Interview erzählt Chiellini, wie es vor drei Jahren um die Nationalmannschaft, die bei der WM 2018 in Russland nicht mal dabei war, stand. Trainer Roberto Mancini musste den Trümmerhaufen wieder aufrichten. Chiellini, der Sportmarketing studiert hat und ein heller Kopf ist, gibt jetzt zu: „Paradoxerweise haben auch wir Mancini anfangs für verrückt gehalten, als er uns gesagt hat, dass wir uns in den Kopf setzen sollen, die EM zu gewinnen.“

„Der Trainer bläute es uns ein, jetzt ist es Realität“

Der weise Kapitän bringt das natürlich mit voller Absicht genau jetzt zurück ins Bewusstsein. Es ist ein psychologischer Trick, um seine Mitspieler noch mehr zu pushen. Dann schiebt er nach: „Jetzt steht das bevor, wovon wir seit drei Jahren träumen. Das, was der Trainer uns nach und nach eingebläut hat, bis es Realität wurde.“

Cool, cooler, Chiellini! Vor dem Elferkrimi gegen Spanien scherzte der Kapitän mit Jordi Alba.  Foto: AFP

Chiellini ist der Seniore in der jungen Mannschaft. Zusammen mit Leonardo Bonucci (34) hält er wie auch bei seinem Klub Juventus Turin alles zusammen. Nicht nur in der Verteidigung. Er ist der Anführer, der verlängerte Arm des Trainers, der personifizierte Teamgeist.

„Wir haben die Leichtigkeit“

„Das Team gewinnt nicht nur dank Giorgio, Leo oder einem anderen Einzelspieler. Es ist die gesamte Mannschaft, die auf jeder Position ein fantastisches Turnier absolviert. Das ist die einzige Wahrheit. Sonst kann man solche Wettbewerbe nicht gewinnen“, hebt Chiellini hervor. Und betont: „Wir haben eine Leichtigkeit und Verbundenheit in dieser Mannschaft.“

Aber was würde dieser Titel für ihn persönlich bedeuten? Chiellini wird da philosophisch: „Vielleicht genießt man es mit 36 Jahren mehr als mit 21, weil man weiß, wie schwierig das ist und was dahintersteckt.“

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