Oliver Bierhoff (l.) gratuliert Robin Gosens zu seinem starken Auftritt. imago/Laci Perenyi

Deutschland darf wieder auf eine gute EM hoffen. Noch schöner: Deutschland hat seit dem 4:2 gegen Portugal endlich wieder einen Liebling – Robin Gosens (26). Ein Exot erobert die schwarz-rot-goldenen Herzen im Sturm. Ein wahrer Gosenssassa!

Tausendsassa, das sind Menschen, die vielseitig begabt sind. Ursprünglich kommt das Wort aus Frankreich und von der Jagd: „Sa Sa“ ist der Aufruf für Hetzhunde. Ja, Gosens rannte sich auf der linken Seite die Lunge aus dem Hals. Schoss ein Tor und war an den anderen drei Treffern beteiligt.

Gosens quatscht frei von der Leber weg

„Du kannst mich gern mal zwicken, auch da glaube ich es nicht“, lachte er einem TV-Reporter nach seiner Mega-Show zu. „Dass man für sein Land eine EM bestreiten kann und in so einem Spiel ein Tor schießt, das ist next Level, das ist magisch, affengeil“, sprach Gosens wie einst Lukas Podolski frei von der Leber weg.

Gosens ist ein Multitalent – auch was Kommunikation angeht. Keine gestelzten Interviews, dafür emotional, kumpelig – oder einfach: poldihaft. Solche Typen machen die DFB-Elf wieder attraktiv. Dabei passt er so gar nicht in den typischen Werdegang eines Nationalspielers. Er ist ein Straßenkicker, hat nie einen DFB-Lehrgang besucht, war nie in einem deutschen Junioren-Team, hat nie in der Bundesliga gespielt.

Gosens’ Stern ging vor zwei Jahren beim italienischen Erstligisten Atalanta Bergamo auf. Dazu sagt er: „Als Exot fühle ich mich insofern, dass ich weiß, dass ich einen anderen Weg gegangen bin als alle, die hier dabei sind. Aber in der Truppe fühle ich mich überhaupt nicht als Exot. Ganz und gar nicht.“

Deutschland hatte schon mal einen Spieler aus Italien. Ein gewisser Oliver Bierhoff von Calcio Udinese wurde 1996 für viele völlig überraschend vom damaligen Bundestrainer Berti Vogts in den EM-Kader berufen. Bierhoff machte mit seinem Golden Goal die DFB-Elf zum Europameister ...

Jogi Löw lobt Robin Gosens

Die Wiederholung dieser Story hat auch Bundestrainer Jogi Löw im Kopf, wenn er auf die Frage, ob Gosens das Spiel seines Lebens gemacht hat, antwortet: „Das hat er vielleicht noch vor sich.“

Gosens hat jetzt neun Länderspiele und zwei Tore auf dem Konto, ist Turnierneuling – und doch schon irgendwie ein Anführer. Alle im DFB-Tross lieben Robin. Ein nüchterner Kerl wie Matthias Ginter sagt: „Robin ist ein total offener und positiver Typ, der wahnsinnig viel positive Energie mit reinbringt.“ Ins Team und auf dem Rasen.

Doch dafür muss er gesund bleiben und darf nicht überdrehen. Gegen Portugal musste Gosens mit leichten Adduktorenproblemen vorzeitig raus (62.). Auch dieses Problemchen wird der Gosenssassa einfach weglächeln.