Robin Gosens feiert sein erstes Tor im DFB-Dress. Imago

Geht’s allein nach dem Ergebnis der Generalprobe, kann die EM sofort beginnen. Aber Vorsicht! Das 7:1 (5:0) gegen Lettland acht Tage vor dem Start ins Turnier ist zwar ganz prima fürs Gemüt. Nur hat dort Frankreich, am Dienstag in München der erste Gegner bei der Europa-Euro, nichts gemein mit den Balten. Aber Spaß haben die sieben auf einen Streich doch gemacht.

100. Einsatz von Manuel Neuer

Wahrscheinlich sind die meisten Trainingseinheiten schärfer als dieses Spiel. Ernsthaft gefordert wird kaum jemand im Team von Bundestrainer Jogi Löw. Andererseits sind Tore, feine Spielzüge, Erfolgserlebnisse und klasse Kombinationen, zumal endlich auch wieder 1000 Zuschauer im Stadion sind und obwohl der Gegner im Ranking zwischen Tansania und Myanmar angesiedelt ist, durch nichts zu ersetzen.

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Was bleibt außerdem von dieser Partie? Natürlich der 100. Einsatz von Manuel Neuer. Durchs Spalier seiner Mitspieler läuft der Kapitän auf den Rasen und ist der erste deutsche Torhüter im „Klub der Hunderter“. Zu tun bekommt der Bayern-Schlussmann lange, lange nichts. In einem Spiel, in dem die Null hätte stehen müssen, steht sie doch nicht, weil Aleksejs Saveljevs, Drittligaspieler in Italien, einen raushaut, der in Neuers Kasten einschlägt (75.). Damit ist für den Keeper klar: Es gibt schönere Jubiläen als dieses in einer Startelf, die mit einem Altersdurchschnitt von 28,4 Jahren so alt ist wie seit 19 Jahren nicht.

Erstes Länderspieltor von Robin Gosens

Löw ist angetan von der Spielfreude seiner Jungs, zu denen die England-Legionäre sowie Taktgeber Toni Kroos zurückgekehrt sind und vom Stamm nur Leon Goretzka noch fehlt. Robin Gosens, oft ein exzellenter Vorbereiter, haut nach Vorarbeit von Kai Havertz mit dem 1:0 sein erstes Länderspieltor rein (19.), nur 86 Sekunden später hämmert Ilkay Gündogan die Kugel zum 2:0 in den linken Winkel (21.). Es läuft gegen die komplett überforderten Letten wie am Schnürchen: Thomas Müller hat freie Bahn zu seinem ersten Tor als Rückkehrer (3:0, 27.), Letten-Keeper Roberts Ozols lenkt den Versuch von Havertz in den Kasten (39.), Serge Gnabry ist beim 5:0 (45.) nach Musterpass von Mats Hummels völlig frei.

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Es riecht nach zweistellig, zumal Timo Werner als Joker mit schönem Hacken-Tor dort weitermacht, wo es vor der Pause aufgehört hat – 6:0 (50.). Natürlich wechselt Löw nun munter durch. Der DFB-Coach möchte möglichst viele am Kantersieg teilhaben lassen, bei dem Leroy Sané den 7:1-Schlusspunkt setzt (76.). Trotzdem, das wissen alle: Der Dienstag bringt mit dem Weltmeister ein komplett anderes Kaliber.