Liebe statt Hass: Leon Goretzka zeigt den Fans ein Herz.  AP/Lukas Barth/Pool Photo

Die Regenbogen-Debatte hatte die Atmosphäre vor dem Ungarn-Spiel der  DFB-Auswahl extrem aufgeheizt. Die ungarischen Neonazi-Hooligans der „Carpathian Brigade“ provozierten Spieler und Zuschauer bereits vor dem Anpfiff.  Dagegen setzten die deutschen Nationalspieler deutliche Zeichen der Liebe und der Toleranz. 

Es war die 84. Spielminute. Mit aller Kraft drückte Leon Goretzka den Ball zum 2:2-Augleich in die Maschen. Dann dreht er ab zum Jubellauf und nutzte den Moment des Glücks für ein klares Statement. Der Mittelfeldstar des FC Bayern wandte ich bewusst den aggressivsten  Ungarn-„Fans“ zu. Er lief direkt auf die  Tribüne mit den Hooligans zu - und formte mit seinen Händen ein Herz.

„Fans“ pöbeln und beleidigen Homosexuelle

Was für ein Zeichen. Was für ein Signal an die Ungarn, die vor dem und während des Spiels sehr aggressiv aufgetreten waren. Während der deutschen Nationalhymne hatten sich die „Fans“ demonstrativ abgewendet. Statt mit Respekt fielen sie mit Sprechchören wie „Deutschland, Deutschland, homosexuell“ auf. Deutsche Fans und Journalisten zeigten sie den Mittelfinger, jeder, der sich mit  Regenschirmen und Flaggen in Regenbogenfarben zeigte, wurde bepöbelt und bespuckt. 

Schon am frühen Abend waren Mitglieder der „Carpathian Brigade“ in der Münchner Innenstadt unangenehm aufgefallen. „Schwul, schwul, Deutschland schwul“-Rufe waren zu hören. Alles Bunte wurde wüst beschimpft. 

Manuel Neuer und die Regenbogen-Binde

Die Regenbogenfahne gilt als Symbol für Vielfalt, Toleranz, Respekt und Solidarität. Sie steht als Protestzeichen und Symbol der LGBTQ-Bewegung (Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer) für  Akzeptanz und Gleichberechtigung von Menschen, die sich nicht den Normen rund um Geschlecht und Sexualität identifizieren. 

Eigentlich hatte die Stadt München geplant, das Stadion bunt leuchten zu lassen. Als Symbol im „Pride Monat“, in dem die Bewegung die Vielfalt der Gesellschaft feiert. Aber auch, um gegen ein ungarisches Gesetz zu protestieren, das Jugendlichen verbietet, sich über  Homosexualität und Transsexualität zu informieren. Die Uefa verbot die Beleuchtung als zu politisch. 

Leon Goretzka setzt sich bereits seit vielen Jahren für Toleranz und Menschlichkeit und gegen Ausgrenzung und Rassismus ein. Schon kurz nach dem Spiel twitterte er sein Jubelfoto mit den Worten „Spread Love“ (Verbreitet Liebe). Dazu zeigte er Regenbogen-Emoji.

Deutliche Geste von Manuel Neuer

Und er war nicht der einzige in der deutsche Mannschaft, der Zeichen setzen wollte. Erneut trug Manuel Neuer seine Kapitänsbinde in Regenbogen-Farben. Während der Interviews nach dem Spiel wickelte er sie demonstrativ um die Hand und zeigte sie immer wieder  in die Kamera.

Die Gesten der deutschen Spieler wurden weltweit bemerkt und im Netz gefeiert. Da geriet selbst das schwache Spiel der Mannschaft in den Hintergrund.