Nicht nur Amsterdams Flughafen Schiphol ist Anlaufpunkt für zahlreiche Flieger während des Turniers. Foto: imago/Rüdiger Wölk

Als der damalige Uefa-Chef Michel Platini vor neun Jahren mit der Idee eines paneuropäischen Wettbewerbs schwanger ging und sich von der Turnierform mit nur ein bis zwei Gastgeberländern verabschiedete – zumindest für die XVI. Europameisterschaft 2020, die ja eine Art Jubiläums-Wettbewerb sein sollte 60 Jahre nach dem ersten Event dieser Art –, war der Begriff ökologischer Fußabdruck so etwas wie ein Fremdwort.

Die meisten hätten sich darunter wohl eher den Umriss eines nackigen Fußes vorgestellt, der sich im nassen Sand malerischer Südseestrände abzeichnet, als eine CO2-Belastung der Natur. Doch nicht erst seit Greta Thunberg und ihrer Friday for Future-Bewegung hat sich ganz tief ins Bewusstsein eingebrannt, wie wichtig es ist, klimaschonend zu Werke zu gehen.

Karima Delli kritisiert EM als ökologischen Unsinn

Da ist eine EM wie diese, die getrost als Namenspatron von Miles & More herhalten könnte, nicht im Geringsten geeignet, in Sachen Nachhaltigkeit für sich zu werben. Sie steht nicht nur wegen ihrer Menschenansammlungen in Zeiten einer Pandemie in der Kritik, sondern auch als Dreckschleuder. Allein die Reisetätigkeit während der EURO 2020 verursacht Hunderttausende Tonnen CO2. Nachhaltigkeit geht anders.

Karima Delli, französische Grünen-Europaabgeordnete und Vorsitzende im Verkehrsausschuss des EU-Parlaments, bezeichnete die EM schon als „totalen ökologischen Unsinn“. Eine Meinung, die sie – wenig überraschend – nicht exklusiv hat. Und schon jetzt steht fest: So wird nie wieder ein Turnier über die Bühne gehen.

Die Uefa spielt das Thema – oh, Wunder! - natürlich runter. Sie versucht, die Umweltbelastung auszugleichen. In den Gastgeberstädten Baku und Amsterdam werden beispielsweise 100.000 Bäume gepflanzt. Doch all das sind eigentlich nur die sprichwörtlichen Peanuts bei einem Wettbewerb, der sich in elf zum Teil weit voneinander entfernt gelegenen Städten abspielt, und bei dem die Russen für ihre Vorrundenspiele in St. Petersburg (2) und Sevilla hin und wieder zurück beispielsweise satte 7157 km zurücklegen müssen.

Für Löw wäre Platz zwei der grünere Weg

Die Engländer können, so sie denn als Gruppenerster die Vorrunde abschließen und ins Endspiel einziehen, sich unabhängig vom Spielausgang des Finales getrost als europäischer Ökomeister verstehen. Mit einem Viertelfinale in Rom hätten sie lediglich 2874 Flugkilometer hinter sich.

Granit Xhaka (r.) und seine Teamkollegen der Schweizer Nationalmannschaft bei der Abreise am Züricher Flughafen kurz vor ihrem Abflug nach Baku. Die Eidgenossen sind die Vielflieger der EM. Foto: dpa/Alexandra Wey

Jogis Jungs haben – Endspielteilnahme vorausgesetzt - zwei mögliche Szenarien. Die schlechteste Ökobilanz führt über den Gruppensieg von München nach Bukarest, dann nach St. Petersburg und am Ende nach London. Macht 5044 Flugkilometer. Ökologisch erfreulicher – und sportlich übrigens realistischer – wäre ein Weg über Platz zwei in der Gruppe. Dann hießen die Spielorte München, London, Rom, München und es wären nur noch 3813 Flugkilometer.

Das Öko-Schlusslicht bilden unfreiwillig übrigens die Eidgenossen. Die könnten sogar Reisemeister werden. Als Gruppenzweiter würde die Schweiz auf dem Weg zum Halbfinale nach London auf ihrer Tour Baku, Rom, Baku, Amsterdam, Baku satte 17.484 Reisekilometer in den Knochen haben. Schön für das Miles & More-Konto, aber für die Umwelt?