In Großbritannien ist die Geste verbreitet: Marcus Rashford von Manchester United kniet vor Spielbeginn auf dem Rasen, um seine Solidarität mit der „Black Lives Matter“-Bewegung zu zeigen. dpa/Shaun Botterill

Sportlich geht es um alles. Doch das Zeichen, das Harry Kane und Manuel Neuer setzen wollen, ist viel wichtiger. Die Kapitäne der englischen und der deutschen Nationalmannschaft haben sich abgesprochen: Bevor es im Wembley-Stadion im EM-Achtelfinale zur Neuauflage des ewigen Klassikers kommt, werden beide Teams in die Knie gehen.

„Wir stehen für Toleranz und gegen jegliche Art von Diskriminierung und wollen uns solidarisch zeigen mit der Nationalmannschaft von England“, sagte Torhüter Neuer über den ersten Kniefall der DFB-Auswahl überhaupt: „Wir ziehen da gerne mit und mussten nicht lange darüber nachdenken.“

Neuer wird Regenbogenbinde tragen

Neuer wird außerdem erneut seine mittlerweile bekannte Regenbogenbinde tragen. Er diente damit auch Kane als Inspiration: Der Engländer will sich den bunten Stoff ebenfalls über den Oberarm ziehen. „Das ist ein starkes Zeichen“, sagte Neuer. Die Botschaft: Bei aller Rivalität gibt es gemeinsame Werte, die eine enorme Bedeutung für die Gesellschaft haben.

Der Kniefall hat seinen Ursprung in der Football-Liga NFL. Dort protestierte der schwarze Quarterback Colin Kaepernick Ende 2016 beim Abspielen der amerikanischen Nationalhymne auf diese Art. Er wollte aufmerksam machen auf die Diskriminierung Schwarzer, auf Polizeigewalt und Rassismus.

Colin Kaepernick von Donald Trump beschimpft

Kaepernick steckte viel Kritik ein, nicht nur der damalige US-Präsident Donald Trump beschimpfte ihn. Der Quarterback aber blieb hartnäckig und trug die Konsequenzen. Nachdem sein Vertrag bei den San Francisco 49ers aus allerdings rein sportlichen Gründen nicht verlängert wurde, ist er bis heute ohne Vertrag. Sein Kniefall aber ging um die Welt, er inspirierte Tausende Nachahmer in unterschiedlichsten Sportarten.

Englands Fußball-Nationalmannschaft geht schon seit Wochen vor Spielbeginn auf die Knie. Anfangs gab es für die Three Lions viele Pfiffe, mittlerweile erfahren sie meist Zuspruch von ihren Fans. Das deutsche Team solidarisiert sich nun mit den Engländern, auch wenn intern kontrovers diskutiert wurde, ob diese Art des Protests aus Sicht eines deutschen Teams glaubwürdig erscheint.

Die Mannschaft hat besprochen, was zu tun ist, und uns gesagt, dass sie auch den Kniefall machen wird. Das ist ein tolles Zeichen.“

Bundestrainer Joachim Löw

Andererseits hätten die Bilder von stehenden Deutschen vor knienden Engländern eine fatale Außenwirkung gehabt. Das wollten der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Spieler unbedingt vermeiden. „Wir stehen für all diese Werte und finden es richtig, dass man sich für solche Werte stark macht“, sagte Bundestrainer Joachim Löw: „Die Mannschaft hat besprochen, was zu tun ist, und uns gesagt, dass sie auch den Kniefall machen wird. Das ist ein tolles Zeichen.“

Beim Weltmeister von 1966 und den Klubs der Premier League ist die Geste inzwischen obligatorisch. Gerald Asamoah begrüßt die gemeinsame Aktion. „Wenn Kinder im TV den Kniefall der Spieler sehen und dann ihren Vater fragen: ‚Papa, was machen die da?‘ Und der Vater es dann erklärt, dann gibt man dem Kind etwas mit“, sagte der Ex-Nationalspieler bei t-online.