Schenkten sich wenig: Frankreichs Paul Pogba und Antonio Rüdiger (r.) lieferten sich bissige Zweikämpfe am Rande des Erlaubten. Foto: dpa/Federico Gambarini

Wenn das Auftaktspiel uns eins gelehrt hat, dann das: Dem deutschen Team fehlt es nicht an Willen oder Talent, wohl aber an Biss. Wenn man mit den Großen nicht ganz mithalten kann, dann muss man die Grundtugenden des Spiels auspacken: Kämpfen! Kratzen! Beißen! 

Obwohl, halt. Wenigstens einem kann man diesen Vorwurf nicht machen. Chelsea-Star Antonio Rüdiger wartete mit einer Aktion auf, die ZDF-Experte Per Mertesacker in Rage brachte. „Ich kann das absolut nicht nachvollziehen“, schimpfte der Rio-Weltmeister 2014. „Wir müssen gute Zweikämpfe gewinnen und ordentlicher nach vorne spielen, anstatt die anderen Gegner anzuknabbern.“

Rüdiger fast wie ein Bond-Bösewicht

In der Tat sah das ein klein wenig komisch aus, was Rüdiger da veranstaltet hatte, als er sich Paul Pogbas Rücken mit offenem Mund näherte. Zumindest schlägt er seine Beißerchen nicht wie der James-Bond-Bösewicht in „Der Spion, der mich liebte“ wirklich in das Fleisch des französischen Nationalspielers. Auf der nach oben offenen Tyson-Skala war das nicht mal ein Suarez. Der Uruguayer hatte bei dem WM 2014 die Schulter von Italiens Giorgio Chiellini getestet.  Als „angeknabbert“ umschrieb auch Sandro Wagner als Co-Kommentator die Aktion. 

Hatten sich nach dem Spiel wieder lieb: Antonio Ruediger und  Paul Pogba. Foto: AFP/Pool/Alexander Hassenstein

Der 28-Jährige weiß nur zu gut, dass er da kein gutes Bild abgeben hat. Ein weniger souveräner Unparteiischer als der spanische Schiedsrichter Carlos del Cerro Grande hätte womöglich Rot gesehen respektive verteilt. „Da darf ich mit dem Mund nicht so an seinen Rücken hingehen – gar keine Frage – das sieht unglücklich aus“, sagte der gebürtige Berliner, der bei Tasmania und Hertha Zehlendorf seine ersten Schritte hin zum großen Fußball absolvierte. 

Immerhin zeigte sich Pogba nicht nachtragend, auch wenn er sich unmittelbar nach der Aktion zunächst mächtig echauffiert hatte. „Paul und ich haben uns nach Abpfiff sehr freundschaftlich ausgesprochen und er hat im Gespräch mit mir und dann auch im Interview sowieso bestätigt, dass das kein Biss war, wie der eine oder andere Außenstehende es zuerst meinte“, sagte Rüdiger, der deshalb auch keine nachträglichen Ermittlungen seitens der Uefa befürchtet.