Robin Gosens  köpft druckvoll zum 4:1 gegen Portugal ein. Foto: AFP

Hey, was ist das für ein Paukenschlag! Portugal trotz frühen Rückstandes mit einer Gala weggeputzt. Cristiano Ronaldo zwar dessen erstes Tor gegen Deutschland geschenkt, sonst aber knallhart gezeigt, wer Herr im Haus ist. Und wer’s nicht mehr für möglich gehalten hat, nach diesem 4:2 (2:1) gegen den Titelverteidiger hat die EM für Deutschland gerade begonnen. So, Jogi, macht Fußball mit dem DFB-Team wieder jede Menge Spaß.

Selbst diejenigen, die nach dem Fehlstart gegen Frankreich und dem 0:1-Rückstand durch CR7 nach einem blitzsauberen Konter am deutschen Team gezweifelt haben, müssen mitgerissen sein. Am Abgrund wackeln die Jungs um Kapitän Manuel Neuer, hauen sich aber schon vor dem ersten Kalte-Dusche-Gegentor und dann erst recht derart ins Zeug, dass ein nahezu runderneuertes Team auf dem Platz zu stehen scheint. Dabei hat Bundestrainer Joachim Löw exakt die Startelf berufen, die es schon beim 0:1 gegen Frankreich versucht hat, da aber in Ansätzen steckengeblieben ist.

Ronaldo jubelt nur einmal

Auch diesmal gibt’s trotz ansehnlichen Beginns und eines eigentlich spektakulären Tores von Robin Gosens (5., nur steht Serge Gnabry zuvor knapp im Abseits) einige Wackler. Vor allem irritiert es, dass Cristiano Ronaldo zu seinem Debüt-Tor gegen Deutschland (dabei ist es bereits sein 107. insgesamt) wie aus dem Nichts kommt. Ganze 18 Sekunden dauert es nach einem Eckball von Toni Kroos und drei (!) Ballberührungen der Portugiesen, bis ihr Superstar jubelt.

Dieses Gegentor fällt in eine Phase, in der es im deutschen Team nur Richtung Strafraum des Gegners geht. Das kann ein Team, das an sich zweifelt, durchaus aus den Latschen kippen. Ein paar Momente ist dieses Gefühl durchaus da, es ist aber ganz schnell wieder weg, weil Leidenschaft in die Partie kommt. Toni Kroos sorgt für Ruhe im Mittelfeld, Ilkay Gündogan sichert die Bälle nach hinten, Thomas Müller stochert auf seine bekannte Art zwischen den Linien, vorn wirbeln Gnabry, Kai Havertz und vor allem Gosens.

Gosens, immer wieder Gosens

Über den „Italiener“ im deutschen Team laufen ganz viele Angriffe. Immer, wenn es vor dem Kasten von Rui Patricio brennt und selbst Abwehr-Haudegen Pepe (38 ist der Mann vom FC Porto inzwischen, geht aber keinem Duell aus dem Weg) nicht mehr weiterweiß, ist irgendwie Gosens im Spiel. So dreht das DFB-Team innerhalb von fünf Minuten die Partie, weil sie die Portugiesen zu zwei (!) Eigentoren regelrecht zwingen. Erst fälscht Ruben Diaz den Ball nach Eingabe von Gosens vor Havertz ab (1:1, 35.), dann haut Dortmunds Raphael Guerreiro die Kugel nach einer scharfen Eingabe von Joshua Kimmich rein (2:1, 39.).

Das ist wie eine Achterbahn und alles andere als ein Spiel für schwache Nerven. Jetzt wackelt aber der Europameister, weil es wieder nur eine Richtung gibt – hin zu Rui Patricio. Gosens, wieder dieser Wirbelwind, findet in der Mitte Havertz – das 3:1 (51.) ist nach Wiederbeginn die bestmögliche Antwort auf die Hoffnungen der Portugiesen. Plötzlich läuft alles. Und Gosens schafft nach Kimmich-Flanke per Kopf das, was ihm anfangs abgepfiffen worden war – ein Tor. Das 4:1 nach feiner Kombination (60.) ist schon so etwas wie die Kirsche auf der Torte.

Nun gut, nicht ganz. Erstens lassen die Portugiesen nicht locker, kommen durch Diogo Jota (diesmal ist CR7 der Vorbereiter) zum 2:4 (67.), landen durch Renato Sanchez einen Pfostenkracher (78.), dass die Kiste von Manuel Neuer lange wackelt, und starten weitere verzweifelte wie wütende Angriffe. Doch diesmal steht die Abwehr, jeder haut sich rein wie verrückt, schließt die möglichen Lücken und sorgt für einen grandiosen Charakter-Sieg.

Jetzt, Jogi, ist in der Todesgruppe wieder alles drin. Deutschland ist im Turnier und hat eine kräftige schwarz-rot-goldene Duftmarke hinterlassen.

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