Der Ex-Schalker Teemu Pukki, Unions Joel Pohjanpalo und Leverkusens Keeper Lukas Hradecky (v.l.) bejubelten im November 2019 die geschaffte EM-Qualifikation ihres finnischen Teams.  Foto: imago images/Lehtikuva

Eishockeyspieler, Skispringer, Rallyefahrer, Formel-1-Piloten, das schöne Finnland mit seinen fünf Millionen Einwohnern hat ruhmreiche Sportler hervorgebracht. Doch Fußball? Da war das skandinavische Land bisher eher ein weißer Fleck. Jetzt nicht mehr. Das Nationalteam ist zum ersten Mal in seiner 114-jährigen Geschichte bei einem großen Turnier dabei. Sonnabend (18 Uhr) spielt der krasse Außenseiter sein erstes EM-Spiel in Kopenhagen gegen Dänemark. Dabei sein ist alles, aber gefinnen wird schwierig!

Hradecky: „Wir sind keine Scheiß-Mannschaft“

Wenn Leverkusens Finnen-Torwart Lukas Hradecky so etwas hört, ist seine nordische Gelassenheit dahin. „Klar wissen wir, dass es schwierig wird. Aber wir fahren nicht zur EM, um nur daran teilzunehmen. Wir sind keine Scheiß-Mannschaft. Wir sind nicht so schwach, wie man denkt. Wir können auch einen großen Gegner schlagen“, sagt er und denkt dabei an die Sensations-Isländer, die 2016 durch einen 2:1-Sieg gegen England ins EM-Viertelfinale kamen.

Wunder gibt es immer wieder. Schon das Erreichen der Endrunde ist für die Finnen eines. Der 15. November 2019 war bisher der größte Tag der „Uhus“ (der Spitzname des Nationalteams): 3:0 in der Quali gegen Liechtenstein, Ticket gesichert. Der Ex-Schalker Teemu Pukki jubelte nach dem Abpfiff: „Es war ein großer Traum von uns allen. Jetzt haben wir es endlich geschafft.“ Ein Jahr später folgte von der kunterbunten Truppe, deren Profis fast alle im europäischen Ausland spielen, sogar noch ein 2:0-Testsieg gegen Weltmeister Frankreich.

Kein Sieg in diesem Jahr

In diesem Jahr konnte die Finnen keines ihrer fünf Spiele gewinnen, die EM-Generalprobe gegen Estland ging mit 0:1 nach hinten los. Da sagt sogar Nationaltrainer Markku Kanerva: „Das war kein ausreichendes Niveau.“

Für die Finnen wird es hart. Doch sie gehen mit Stolz und Freude ins das Turnier mit den Gegnern Dänemark, Belgien und Russland. Das war vor zwei Jahren noch ganz anders. Der Journalist Matti Härkönen fasst die bis dahin erfolglose Geschichte des Nationalteams so zusammen: „In anderen Ländern spielen sie Fußball und hier in Finnland spielen wir Potkupallo. Es bedeutet, den Ball sinnlos zu treten.“

Diesen Ruf wollen die Wikinger jetzt los werden. Joel Pohjanpalo vom 1.FC Union sagt: „Wir freuen uns einfach riesig auf das Turnier. Vor uns liegen ziemlich tolle Wochen.“

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