Ein schwarzer Block auf der EM-Tribüne: Die neonazistische Carpathian Brigade kommt auch zum Spiel zwischen Deutschland und Ungarn nach München. Imago/Sports Press Photo

Sie waren im Budapester Stadion als die ungarische Nationalelf gegen Portugal und Frankreich spielte und sie werden wohl auch in der Münchner Allianz Arena dabei sein: Die ungarische Hooligans der „Carpathian Brigade“ hatten zumindest im Vorfeld der EM dazu aufgerufen, ihre Mannschaft auch im Ausland zu unterstützen. Das Spiel gegen die DFB-Elf in München ist für den Underdog in Gruppe F die erste Auswärtsfahrt.

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Deutschland gegen Ungarn: Die Neonazi-Hooligans sind mit dabei

In den sozialen Netzwerken kündigten die Hooligans bereits an, sich unmittelbar hinter dem Tor in der Nordkurve positionieren zu wollen - und zwar im Unterrang unmittelbar hinter dem Tor. Bereits bei dem Heimspielen im völlig überfüllten Budapester Stadion hatte die „Carpathian Brigade“ die Plätze direkt am Spielfeldrand für sich beansprucht. Die Hooligans treten dabei martialisch auf: Sie tragen alle die gleichen schwarzen Shirts oder Pullover.

Im Spiel gegen Frankreich beleidigten sie die schwarzen Spieler Kylian Mbappé, N'golo Kanté, Paul Pogba, sowie den algerischstämmigen Stürmer Karim Benzema wiederholt rassistisch. Sie machten Affenlaute und zeigten den Hitlergruß. Die Uefa kündigte im Nachgang Ermittlungen an. Ein Ergebnis gibt es vor dem letzten Spieltag der Gruppe F noch nicht.

Deutschland gegen Ungarn: „Carpathian Brigade“ sind paramilitärische Gruppe aus Neonazis

Die Zusammensetzung der ungarischen Hooligans ist schwer zu greifen. Bálint Josá, Gründer einer ungarischen NGO, die eng mit dem Netzwerk „Football Against Racism in Europe“ zusammenarbeitet, bezeichnete die „Carpathian Brigade“ gegenüber dem Magazin Vice als „paramilitärische Gruppe, die aus Neonazis besteht“. Sie sei gleichzeitig die „gewalttätigste und einflussreichste Gruppe in der Kurve“. Die Mitglieder sollen sich laut Josá aus verschiedenen eigentlich verfeindeten Ultra- und Hooligangruppen aus Ungarn zusammensetzen, die für die EM eine Art Burgfrieden geschlossen haben.

Politisch ist die Gruppierung im rechtsextremen, neonazistischen und revisionistischen Spektrum zu verorten. Sie stehe für die Rückkehr zu den Territorien des großungarischen Reiches, wie es vor mehr als 100 Jahren existierte. Dazu gehören unter anderem Teile des heutigen Polens. Sie verhöhnen und bedrohen verschiedenste marginalisierte Gruppen wie Schwarze oder Homosexuelle.

Deutschland gegen Ungarn: „Carpathian Brigade“ trifft sich in Münchner Innenstadt

Im ungarischen Ligabetrieb tritt diese Gruppe jedoch vor allem vor den Stadien auf, da der ungarische Verband eine Null-Toleranz-Strategie gegenüber rassistischen und antisemitischen Vorkommnissen fährt. Die Hooligans sind daher mehr im Umfeld der Spiele aktiv. In München werden einige von ihnen allerdings im Stadion sein. Die Polizei München rechnet laut der „WAZ“ mit rund 200 „Problemfans“. Wie sie auf eine mögliche Gefahrenlage eingehen wollen, ist nicht bekannt.

In den sozialen Netzwerken hat die „Carpathian Brigade“ offenbar zudem zu einem Treffen in der Münchner Innenstadt aufgerufen. Geplant sei ein Treffen am Nachmittag am Wiener Platz im schicken Stadtteil Haidhausen. Von dort wollen sie gemeinsam zur Allianz-Arena aufbrechen. Laut dem Twitter-Account der Münchener Polizei ist sie über diese Pläne informiert.