Mats Hummels Eigentor lässt Lucas Hernandez jubeln. Deutschland verliert zum EM-Auftakt mit 0:1 gegen Frankreich.   AFP

Nichts ist es mit einem Paukenschlag zum EM-Auftakt. Nie zuvor hat ein DFB-Team zum Start in ein EM-Turnier verloren – vorbei! Noch keinem deutschen Spieler ist beim Kontinentaltreffen ein Eigentor unterlaufen – es war einmal! Das 0:1 (0:1) gegen Frankreich ist eine dicke Hypothek auf der Abschiedstour von Bundestrainer Joachim Löw und ein klarer Wirkungstreffer auf dem Weg zum Titel.

Die Hammer-Gruppe schlägt ganz brutal zu. Ihr erstes Opfer ist Deutschland, denn schon nach dem Giganten-Duell mit dem Weltmeister hängt das DFB-Team ein wenig am Tropf. Doch am Sonnabend wartet mit Portugal der Titelverteidiger. Das ist schon so etwas wie ein Endspiel. So sollte die EM auf keinen Fall beginnen, zumal die letzte, die vor fünf Jahren, genauso endete, mit einer Niederlage im Halbfinale gegen „Les Bleus“. Dabei war die Hoffnung: neues Spiel, neues Glück, zumal sich die Franzosen, gegen die es nun schon in sechs Spielen keinen Sieg gegeben hat, zum blanken Angstgegner entwickeln.

Deutschland kann Frankreich teils nicht Paroli bieten  

Dass der Auftakt schwer wird, sauschwer eigentlich, war klar. Weltmeister 2018 gegen Weltmeister 2014, die Equipe Tricolore gegen ihren Vorgänger – mehr geht nicht in so einem Turnier. Das kracht gleich so richtig. Neun Weltmeister bei den Franzosen in der Startelf und nach der Rückkehr von Mats Hummels und Thomas Müller bei Jogis Elf noch immer fünf, das klingt richtig gut. Nur ist bald zu erkennen: Wo Weltklasse anfängt, wo es darum geht, den bärenstarken Gegner zu beeindrucken, ihn auch mal „nass“ zu machen mit einem Kabinettstückchen und so das Momentum auf die eigene Seite zu ziehen, da sind die Vorderleute von Kapitän Manuel Neuer nicht immer auf dem Niveau ihrer Gegner.

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Joshua Kimmich, taktisch auf der rechten Flanke eingesetzt, reibt sich im internen Bayern-Duell gegen Lucas Hernandez alsbald auf, kassiert ganz früh Gelb (7.) und versprüht dennoch derart viel Adrenalin, dass er kaum zu bremsen ist. Aber: Als Hernandez auf seiner Seite durch ist und einen Flugball von Paul Pogba in die Mitte bringt, ist Kimmich nicht in der Nähe. Das schon ist dumm gelaufen, noch dümmer und viel unglücklicher ist, dass Hummels beim Abwehrversuch vor Kylian Mbappé die Kugel ans rechte Schienbein bekommt und Neuer aus fünf Metern keine Chance hat.

Serge Gnabry und Thomas Müller sorgen für Druckphase 

dpa
Bitter: Mats Hummels bugsiert eine scharfe Flanke von Frankreichs Lukas Hernandez  unbedrängt den Ball ins eigene Tor.

Das 0:1 (20.) ist eine eiskalte Dusche. Überraschend fällt der Rückstand trotzdem nicht, weil schon Pogba (16., Kopfball) und Mbappé (17.) für Alarmstufe 1 im DFB-Strafraum sorgen. Auf der anderen Seite versucht sich Toni Kroos mit Freistößen aus guten Positionen. Das Resultat: enttäuschend. Der erste Versuch fliegt in die Mauer (25.), der zweite hoch ins Fangnetz hinter dem Tor (27.). Das ist nicht das, womit die Franzosen zu beeindrucken sind.

Sie wackeln, wenn überhaupt, höchstens zu Wiederbeginn. Mit neuem Elan, mit frischem Wind kommen Serge Gnabry und Thomas Müller aus der Kabine. Szeneweise verlagert sich die Partie in den gegnerischen Strafraum. Doch bevor Gnabry mit einem ungewollten Aufsetzer für das Anhalten des Atems sorgt (54.), haben die Franzosen durch Adrien Rabiot das 0:2 auf dem Fuß (52.) – allein der linke Pfosten rettet die Hoffnung auf ein Happy End. Erst recht, als die Kugel weitere zweimal hinter Neuer einschlägt, zweimal aber der Abseitspfiff ertönt. Erst gegen Mbappé (66.), dann gegen Karim Benzema (85.).

Was bleibt, ist eine Niederlage. Knapp zwar und wegen des Eigentores unglücklich, aber ohne echte Chance auf einen Sieg. Und: Auf ein Neues gegen Cristiano Ronaldo und Portugal!                               

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