Abschlusstraining vor dem Spiel gegen Frankreich: Thomas Müller (Mitte) und Robin Gosens sind für die Anfangself gesetzt.   dpa/Federico Gambarini

„Jeder ist sehr, sehr hungrig nach Erfolg, das lässt mich ruhig schlafen. Ich bin innerlich sehr gelassen“, hatte Bundestrainer Jogi Löw schon am Tag vor dem Knaller-Start in die EM gesagt. Und man ist geneigt, es ihm zu glauben. Verbirgt er hinter seinem wissenden Lächeln etwa eine kleine Aufstellungssensation, mit der er den Weltmeister um den Wunderknaben Kylian Mbappe am Dienstag (21.00 Uhr/ZDF) überraschen will? 

Im Umfeld des Teams wird inzwischen darüber gemunkelt, dass die Aufstellung doch anders aussehen könnte als erwartet. Löw selbst lässt sich keinen Millimeter in die Karten gucken. Stattdessen verspricht er der  Fußball-Nation: „Wir sind uns der Bedeutung bewusst, dass wir für unsere Nation alles abrufen werden.“ Notfalls würden seine Stars und er „durch die Hölle“ gehen, sagt Löw.

Das wird auch dringend nötig sein, wenn Frankreich in der Todesgruppe F nicht der Anfang vom Ende sein soll. „Man darf keinen Spieler aus dem Auge verlieren und muss jede Sekunde hellwach sein“, warnte der Bundestrainer. Sonst droht nach dem WM-Desaster 2018 ein weiteres bitteres Aus. 

Jogi Löw will auf Bauchgefühl hören

Personell kann Löw nahezu aus dem Vollen schöpfen. Lediglich Jonas Hofmann fehlt wegen seiner Knieverletzung. Leon Goretzka kommt nach seiner Muskelverletzung zwar „nicht für die Startaufstellung“ infrage, wie Löw berichtet, aber für einen Kaderplatz.

Eigentlich schien längst klar, wie die Mannschaft auflaufen soll. Jetzt will Löw nach eigner Aussage doch noch mal letzte Gespräche führen und dabei auf sein „Bauchgefühl hören“.

Sicher scheint: Vor Torwart Manuel Neuer soll eine Dreierkette mit Mats Hummels, Toni Rüdiger und Matthias Ginter den französischen Mega-Sturm stoppen. Für die defensive Qualität auf den Flügeln opfert Löw seinen Lieblings-Sechser Joshua Kimmich, der auf die rechte Seite rückt. „Der Jo spielt da, wo es das Beste ist für die Mannschaft“, sagt er. Links ist Robin Gosens nach zuletzt starken Auftritten gesetzt. 

Überrascht Jogi Löw uns und den Gegner? imago/MIS

Kai Havertz oder Leroy Sané?

Auf der Doppelsechs sollen Toni Kroos und Ilkay Gündogan für Stabilität und schnelles Umschaltspiel sorgen.  In der Offensive sind Thomas Müller und Serge Gnabry bei Löw gesetzt. Aber wer kommt dazu? Zuletzt waren die Experten überzeugt, dass Kai Havertz die Nase vorn hat. Leroy Sané bliebe dann nur die Jokerrolle.

Beim Abschlusstraining bekam dann aber Sané das begehrte rosa Leibchen der ersten Elf. Hat es sich der Bundestrainer doch noch mal anders überlegt? Oder will er uns – und die Franzosen – nur verwirren? 

Oder doch die Sensation? 

Und im Umfeld der Mannschaft macht ein weiteres Gerücht die Runde. Danach denkt Löw ernsthaft darüber nach, weder Havertz noch Sané von Anfang an aufzustellen. Stattdessen könnte Emre Can ins Team rücken. Vor der Abwehr würde der Dortmunder als Abräumer ein echtes Abwehrbollwerk komplettieren.  

Schickt Löw gegen Frankreich doch Emre Can von Anfang an aufs Feld?  imago/Jan Huebner

Öffentlich gemacht wurde die Idee von Bastian Schweinsteiger, der via Social Media diese Aufstellung ins Spiel brachte. Jogi weiß: Seit September 2019 haben die Franzosen nur ein einziges Spiel verloren – gegen Finnland! Am 11. November 2020 machten die Finnen im Pariser Stade de France den Gastgeber mit ihrer Defensivtaktik wahnsinnig. Sie verteidigten extrem kompakt und hatten im Angriff die nötige Effizienz. Am Ende gewannen sie 2:0. Das könnte ein Weg sein... 

Offiziell sagt Löw, es sei nicht entscheidend, wer zum Anpfiff auf dem Platz stehe. Er beschwört vielmehr den Zusammenhalt, der die Nationalelf schon 2014 auf den WM-Gipfel getragen habe. Wie damals sein goldener Joker Mario Götze müssten alle „für die Sekunde X“ brennen.