Die Fans halten Dynamo Dresden auch nach dem 3.-Liga-Abstieg die Treue.  Foto: Imago Images

Drei Absteiger, keine Aufsteiger: Die Saison der 3. Liga lief aus Sicht der Ost-Clubs alles andere als optimal. Zeit zum Verarbeiten bleibt kaum, denn künftige und ehemalige Drittligisten haben umgehend die Planungen für die neue Saison aufgenommen.

DYNAMO DRESDEN: Fast alles neu im Dynamo-Land. Nach dem sicherlich vermeidbaren Abstieg kommt der Club mit dem wohl größten Festgeld-Konto der Liga (fast zehn Millionen Euro Eigenkapital), dem neuen Sportchef Ralf Becker und einer größtenteils neuen Mannschaft. «Wir wollen Persönlichkeiten in der Truppe, ein paar emotionale Typen haben, die den Verein auf dem Platz widerspiegeln und die eigene Jugend fördern», sagte Becker, der auf Vereins-Idol Ralf Minge folgte. Die Säulen des neuen Teams sollen Torwart Kevin Broll, Verteidiger Kevin Ehlers und Defensiv-Allrounder Jannis Nikolaou werden. Zudem soll Ex-Kapitän Marco Hartmann gehalten werden. Die feste Verpflichtung von Heidenheim-Leihgabe Patrick Schmidt ist ebenfalls ein Thema. Die Favoritenrolle nimmt Dynamo an. «Wir wollen nächste Saison den bestmöglichen Kader haben, allerspätestens in zwei Jahren wieder ein Zweitliga-Klub sein», sagte Becker.

HANSA ROSTOCK: Nach der knapp verpassten Relegation kann in der kommenden Saison nur der Aufstieg das Ziel sein. Es wird bereits die neunte Drittliga-Saison in Serie für den früheren Bundesligisten. Finanziell steckt Hansa dank Investor Rolf Elgeti das zwar besser weg als andere Clubs, doch in Sachen Anspruch, Fans und Infrastruktur sieht man sich als Zweitligist. «Ich will immer das Maximum», sagte Trainer Jens Härtel. «Wir hatten eine Chance und wissen nicht, ob die noch mal wiederkommt.» Leistungsträger wie Markus Kolke, Maximilian Ahlschwede, Nils Butzen und Pascal Breier bleiben an Bord. Dazu soll Björn Rother aus Magdeburg der erste Neuzugang werden. Zudem scheint Hansa mit Härtel Konstanz auf der Trainerposition gefunden zu haben.

1. FC MAGDEBURG: Innerhalb von drei Jahren will der FCM in die 2. Bundesliga zurückkehren. Das erste Jahr hat man mit der in den Augen vieler Fans unnötigen Entlassung von Trainer Stefan Krämer und der erfolglosen Nachbesetzung durch Claus-Dieter Wollitz bereits verschenkt. Ob Thomas Hoßmang bleibt oder doch lieber zur U19 zurückgeht - offen. Welche Rolle der ins zweite Glied zurückkommandierte Sportchef Maik Franz künftig spielt - unklar. Immerhin sollen in den kommenden Tagen die ersten Entscheidungen fallen. «Wir werden sicherlich sieben bis neun neue Spieler verpflichten und uns auch bald zur Trainerfrage äußern», sagte Manager Mario Kallnik der «Magdeburger Volksstimme».

HALLESCHER FC: Mit dem Ziel Aufstieg gestartet, am Ende gerade so die Klasse gehalten. In Halle sind sie noch immer auf der Suche nach den Gründen für die Talfahrt. Gleichzeitig geht der Blick nach vorn, die Ansprüche werden wohl etwas demütiger formuliert werden. Trainer Florian Schnorrenberg bleibt nach dem Klassenerhalt, doch um seine Leistungsträger muss der Club kämpfen. Abwehrboss Sebastian Mai ist von Dresden und Kaiserslautern umworben - mindestens. Bentley Baxter Bahn räumte Gespräche mit anderen Vereinen ein, Zwölf-Tore-Stürmer Pascal Sohm lehnte bereits ein Angebot des HFC ab. «Die Kaderplanung ist entscheidend dafür, wie wir nächste Saison unsere Ziele definieren können», sagte Schnorrenberg der «Mitteldeutschen Zeitung». Womöglich gingen alle drei Spieler. Dafür brauche man Alternativen.

FSV ZWICKAU: Bereits am Sonntag begann Sportdirektor Toni Wachsmuth mit den ersten Personalgesprächen. Lautern-Leihgabe Elias Huth geht zurück in die Pfalz. Doch einen Ersatz für den mit 14 Toren besten Angreifer zu finden, ist nur eine der großen Aufgaben. Denn die Verträge mit Sturm-Konstante Ronny König und Kapitän Johannes Brinkies laufen aus. König soll beim FSV einen Anschlussvertrag besitzen, will mit seinen 37 Jahren aber noch nicht zwingend aufhören. Trainer Joe Enochs, dessen Zukunft drei Spieltage vor Schluss ernsthaft diskutiert worden war, bleibt bei den Westsachsen. Allerdings dürfte es auch im fünften Drittliga-Jahr nur um den Klassenerhalt gehen.

CHEMNITZER FC: Nach einem Drittliga-Jahr ging es für den Chemnitzer FC gleich wieder runter. Aufgrund des Kaders sicherlich ein vermeidbarer Abstieg. Beim CFC lässt er besonders viele Fragen unbeantwortet. Denn der Club befindet sich noch immer im Insolvenzverfahren, was nun wohl länger dauern wird. Unklar ist auch, ob alle Investoren dabei bleiben. Die Leistungsträger werden es sicher nicht. Philipp Hosiner, mit 19 Treffern bester Angreifer, wird sicher nicht zu halten sein. Aktuell hat der CFC nur drei Spieler für die kommende Saison unter Vertrag. In den nächsten Tagen soll sich zumindest entscheiden, ob Patrick Glöckner als Trainer bleibt.

CARL ZEISS JENA: Im Paradies konnte man im Prinzip schon vor der Corona-Pause für die Regionalliga planen - und das tat man. Ex-Profi Tobias Werner wurde als Sportdirektor verpflichtet, soll zusammen mit dem neuen Trainer Dirk Kunert (beim Berliner AK ausgelöst) eine mit vielen Nachwuchsspielern versehene Mannschaft zusammenstellen. Kapitän René Eckardt bleibt in Jena, gleiches gilt für Marius Grösch und Dominik Bock. Die sofortige Rückkehr in die 3. Liga wird bewusst nicht als Ziel ausgegeben, zu präsent sind die Erinnerungen an den vergangenen, fünfjährigen Aufenthalt in der Regionalliga. «Es wird nicht leicht, den Abstieg zu verarbeiten. Wir werden neu anfangen und schauen, was dabei herauskommt» sagte Kunert.