Angel di Maria trifft zum 2:0 für Paris St. Germain. Foto: Pool-Foto/Sven Simon

Aus der Traum vom ganz großen Coup. Zerschmettert die Hoffnung auf ein zweites deutsches Finale in der Champions League nach 2013. Im Halbfinale von Europas Königsklasse findet Bisher-Überflieger RB Leipzig beim 0:3 (0:2) mit Paris St.-Germain seinen Meister. Für die Leipziger bleibt es bei der Endstation Sehnsucht.

Selten sind die Sachsen derart an ihre Grenzen gestoßen wie gegen Frankreichs Dauer-Meister. Die Chance der Rasenballer auf eine weitere Sensation währt nur Minuten, ach, eigentlich ist sie gar nicht da. Von Anfang an gibt es nur ein Team, das Vollgas gibt, das Druck macht, das sich jede Menge Gelegenheiten herausspielt und dabei die Unsicherheit des Gegners gnadenlos ausnutzt. Kleiner Trost nur: Wenn dabei Größen wie Frankreich-Weltmeister Kylian Mbappé, Brasilien-Olympiasieger Neymar und Argentinien-Ass Angel di Maria Fahrt aufnehmen, kommen ganz andere Teams unter die Räder.

Von Marquinhos, dem kreuzgefährlichen Brasilianer im PSG-Mittelfeld, ist da noch gar nicht die Rede. Gerade er, der die Elf des deutschen Trainers Thomas Tuchel im Viertelfinale beim 2:1-Zittersieg gegen Außenseiter Atalanta Bergamo in nahezu letzter Minute rettete, ist diesmal ganz früh dort, wo die Tore fallen, frei im RB-Strafraum nämlich. Präzise kommt ein Freistoß von di Maria, ebenso präzise zirkelt Marquinhos die Kugel rechts ins Eck. Das 0:1 (13.) ist einerseits ein Musterbeispiel an Maßarbeit und andererseits hochverdient, weil Neymar zuvor schon den Außenpfosten trifft (6.) und Mbappès Treffer nur deshalb nicht zählt, weil der Ball von Neymars Hand zu ihm springt (7.).

Zu diesem frühen Zeitpunkt schon ist klar, dass RB auf ziemlich verlorenem Posten steht. Zwar gelingen vereinzelte Nadelstiche, so durch Yussuf Poulsen, der nach Solo von Konrad Laimer mit der besten Chance das 1:1 verpasst (25.). Ebenso ersichtlich aber ist, dass sich die Roten Bullen kaum befreien können, sich immer wieder im Dauerpressing verfangen, den Gegner durch viele leichte Fehler und ungewohnte Ballverluste zu besten Gelegenheiten einladen. Noch scheitert Mbappé an RB-Keeper Peter Gulacsi (17.) und Neymar zum zweiten Mal am rechten Pfosten (35.), nicht aber di Maria nach großartigem Hacken-Zuspiel von Neymar. Beim 0:2 (42.) hat der Gaucho allein vor Gulacsi leichtes Spiel.

Als sich die Leipziger zu Wiederbeginn mit Patrik Schick und Emil Forsberg neu zu ordnen glauben, um vielleicht doch am Wunder zu schnuppern, kommt mit dem 0:3 durch Juan Bernat das endgültige Aus (56.). Blöd dabei, dass Nordi Mukiele ausrutscht, den Ball verliert und weit weg vom Geschehen am Boden liegend ein mögliches Abseits von Bernat aufhebt. Dabei ist Mukiele gegenüber dem Viertelfinale für Marcel Halstenberg als einziger neu ins Start-Team gerutscht, um mit seiner Schnelligkeit die Kreise von Mbappé einzuengen. Wenn’s blöd läuft, dann aber richtig.

Nun ruhen die deutschen Hoffnungen auf den Bayern. Stürmen sie heute gegen Lyon ins Finale, sollten sie neben Mbappé, Neymar, di Maria und Marquinhos auf Bernat achten. Das ist der Spanier, der bei den Bayern einst von Uli Hoeneß vom Hof gejagt wurde. Man sieht sich im Leben meist zweimal und meistens ist Rache zuckersüß …