Die Mannschaft und die Fans, beim 1. FC Union spüren alle in der Alten Försterei das hautnahe Erlebnis. Foto: Imago Images/nordphoto/Engler

Neues Jahr und das Stadtduell geht weiter. Der große Traditionsverein Hertha BSC gegen den Underdog 1. FC Union, der schon lange keiner mehr ist. Das Jahr 2021 ging eindeutig und völlig verdient an die Köpenicker. Union schloss die vergangene Saison auf Platz 7 ab, Hertha rettete sich auf Rang 14 gerade noch vor dem Abstieg. Nach der jetzigen Hinrunde sind die Rot-Weißen schon wieder vor den Blau-Weißen – sechs Punkte mehr auf dem Konto. In der KURIER-Serie lesen Sie, warum Union besser ist als Hertha. Im fünften und letzten Teil werden beide Stadien beleuchtet.

Es war der 8. Juli 2009: Der 1. FC Union, gerade in die Zweite Bundesliga wieder aufgestiegen, lud den großen Stadtrivalen Hertha BSC zum Freundschaftsspiel (3:5) ein. Der Anlass hatte historische Ausmaße. Es war die Neueröffnung des Stadions an der Alten Försterei. Der kleine Kult-Tempel, der 1920 erbaut wurde, hatte drei neue Stehtribünen und ein Dach bekommen. Geplant 2007, von Politik und Behörden genehmigt 2008, fertiggestellt in 13 Monaten. Dabei halfen rund 2000 Fans mit.

Klingt alles schön, ist es auch. Doch Umbaupläne gab es schon Mitte der 90er-Jahre, die alle scheiterten. Die Eisernen blieben hartnäckig gegenüber allen Bedenkenträgern und setzten ihren großen Traum nicht durch, sondern führten ihn weiter. Ab 2012 wurde die neue Haupttribüne gebaut. 22.012 Plätze gibt es, die Arena soll noch weiter auf 36.978 ausgebaut werden. Die Pläne wurden jedoch erst mal auf Eis gelegt. Die Köpenicker haben ihr eigenes Stadion, es ist seit 100 Jahren die Heimat des Klubs und seiner Vorgänger.

Hertha verlor 1963 die Heimstätte

Die Spieler von Hertha BSC feiern mit den Fans. Doch das Olympiastadion ist wegen Corona fast leer.  Foto: City-Press

Hertha hatte auch mal seine eigene Arena. Die legendäre „Plumpe“ in Gesundbrunnen wurde von 1923 bis 1924 gebaut, hier wurden die Blau-Weißen 1930 und 1931 Deutscher Meister. Bei Gründung der Bundesliga 1963 zogen die Herthaner ins Olympiastadion um, weitere acht Jahre später musste der Verein aus chronischem Geldmangel die Plumpe an den Senat verkaufen. 1974 erfolgte der Abriss. Die ursprüngliche Heimat des Traditionsvereins war futsch. Die Mannschaften von den Jugendteams bis zu den Profis trainierten in der ganzen Stadt verstreut – mal hier, mal da.

Erst mit dem Aufstieg 1997 wurde der Klub langsam wieder sesshaft. Es ist eines der größten Verdienste des ehemaligen Managers Dieter Hoeneß, dass das Olympiagelände zur neuen Heimat des Klubs wurde. 2002 waren die Plätze, die Geschäftsstelle und die Jugendakademie endgültig fertig, zwei Jahre später war das kleine Amateurstadion erbaut. Doch eines fehlte – eine eigene Arena für die Profis.

Politik bremst Stadionpläne aus 

Hertha musste weiter im senatseigenen Olympiastadion als Mieter spielen. Der zur WM 2006 modernisierte Betonklotz mit der weitläufigen Tartanbahn ist für den Klub bis heute ein kostspieliger Kompromiss. 2016 gab es erste Überlegungen für ein eigenes Stadion, 2017 wurden Machbarkeitsstudien vorgestellt. Eine reine Fußballarena mit rund 55.000 Zuschauern neben dem Olympiastadion. Ein ambitioniertes Ziel wurde verkündet: 2025 Eröffnung.

Geschehen ist bis heute nichts, obwohl Hertha immer wieder Versuche unternimmt. Die Politik kann sich dafür nicht so richtig begeistern, schließlich würde der Senat seinen Hauptmieter verlieren.

Auf lange Sicht hat Union einen riesigen Vorteil mit seiner Försterei. Denn sie bringt nicht nur Geld ein, sondern sorgt wegen der Atmosphäre mit den Tribünen direkt am Spielfeld für Extra-Punkte. In den vergangenen zweieinhalb Jahren verlor Union nur acht von 43 Heimspielen, Hertha dagegen 17 von 42 Partien. Das alles trotz Pandemie, Geisterspielen und beschränkten Zuschauerzahlen. 5000 Fans machen eben mehr Stimmung in der kleinen Försterei als im riesengroßen Olympiastadion mit 74.600 Plätzen. Dazu kommt auch ein bisschen Magie und Aberglaube. Die Unioner haben beides mit ihrem Stadion, Hertha eben nicht.

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