Das 2:2 von Thomas Müller egalisiert zwar den 0:2-Rückstand des FC Bayern München, aber am Ende gewinnt Paris St.-Germain. Foto: Imago

Was für ein Spektakel bei der Final-Neuauflage der Vorsaison! Ein Hin, ein Her und Tore satt! Mit offenem Visier begegnen sich die Bayern und Paris St.-Germain in Teil 1 auf dem Weg ins Halbfinale der Champions League. Dicke am Verlieren sind die Münchner, weil sie bald 0:2 zurückliegen. Dann zeigen sie, dass sie die Bayern sind, der Titelverteidiger, schaffen den Ausgleich. Am Ende aber verlieren sie beim 2:3 (1:2) trotzdem ein wenig den Durchblick.

Vogelwild geht es zu, nahezu aberwitzig, auf jeden Fall aber abenteuerlich. Abwehrreihen finden hier wie da nur bedingt statt. Von Taktieren, von Abtasten nicht die Spur und für schwache Nerven ist es schon gar nichts. Es geht mit Volldampf zur Sache, als müsse schon in einem Spiel die Entscheidung her und nicht erst nächsten Dienstag. Vielleicht auch, um ein wenig das Schneetreiben zu umdribbeln, das pünktlich zum Auftakt einsetzt, dem Ball noch mehr Fahrt verleiht und auch ein wenig den Zufall mitspielen lässt.

Womöglich deshalb rutscht die Kugel Manuel Neuer durch die Beine, als Kylian Mbappé bei einem Konter aus acht Metern abzieht. Glücklich sieht Bayerns Kapitän nicht aus und das 0:1 (3.) geht neben einer miesen Staffelung seiner Vorderleute ein wenig auch auf seine Kappe. Dabei glaubten sich die Münchner zunächst im psychologischen Plus, denn die erste Chance haben sie, nur segelt ein Kopfball von Lewandowski-Ersatz Eric Maxim Choupo-Moting an die Latte (2.).

Nur wenig ist normal in dieser umtriebigen Partie, in der es schon vor der Pause drei verletzungsbedingte Wechsel gibt. Dabei haben beide schon genug Personalnot. Zu den Verletzten kommen hier mit Serge Gnabry sowie dort mit Marco Verratti und Alessandro Florenzi positiv auf Corona getestete Spieler. Bei den Bayern gehen Leon Goretzka (Alphonso Davies kommt) und Niklas Süle (dafür Jerome Boateng) mit Muskelblessuren, bei den Franzosen der Brasilianer Marquinhos. Nur hat der PSG-Kapitän kurz zuvor für das 0:2 gesorgt, weil Bayerns Abseitsfalle nicht zuschnappt und er allein vor Neuer kaltes Blut bewahrt (28.). Das macht Eindruck und belegt, warum die Franzosen zuvor den FC Barcelona aus dem Wettbewerb gekippt haben.

Die Bayern, auf dem falschen Bein erwischt und eiskalt ausgekontert, bleiben trotzdem dran und werden belohnt. Diesmal bringt Choupo-Moting mehr Wucht und mehr Präzision hinter seinen Kopfball. Gegen seinen Aufsetzer zum 1:2 nach Flanke von Benjamin Pavard ist der starke Keylor Navas, der bereits gegen Thomas Müller glänzend gerettet hat (10.), im PSG-Kasten ohne Chance (37.).

Die Münchner sind wieder da und legen noch eine Schippe drauf. Nur: Es bleibt ein Tanz auf dem Seil, weil Neymar, Julian Draxler und vor allem Mbappé nur auf Konter lauern. Fast hat Neymar damit Glück, doch Davies rettet kurz vor der Linie (52.). Auf der anderen Seite scheitert Pavard an Navas (53.) – es bleibt wie auf dem Bolzplatz, jede Aktion ist hier wie da brandgefährlich.

Es bleibt ein Spektakel ohne Ende. Erst wähnen sich die Bayern am Ziel, weil Müller nach Freistoß von Joshua Kimmich mit einem perfekten Kopfball das 2:2 schafft (60.). Nur kann Mbappé das auch. Nicht mit dem Kopf, dafür umso besser mit dem Fuß. Das 2:3 (68.) ist beim Spiel auf ein Tor zwar alles andere als verdient, klasse herausgespielt ist es trotzdem und ein Beweis von Effizienz erst recht.

Das ist der Schlusspunkt. Der vorläufige. Das letzte Wort ist damit aber noch lange nicht gesprochen.