Torwart Andreas Luthe und die Verteidiger Timo Baumgartl, Robin Knoche und Marvin Friedrich (v.l.) halten Unions Laden hinten dicht. Foto: City-Press

Neues Jahr und das Stadtduell geht weiter. Hertha BSC gegen 1.FC Union. Das Jahr 2021 ging eindeutig und verdient an die Köpenicker. Union schloss die vergangene Saison auf Platz 7 ab, Hertha rettete sich auf Rang 14 gerade noch vor dem Abstieg. Und die Rot-Weißen sind schon wieder sechs Punkte vor den Blau-Weißen. In der KURIER-Serie lesen Sie, warum Union besser ist als Hertha. In Teil 2 geht es um die Abwehr beider Klubs.

Schaut man sich nur die Hinrunden-Zahlen der Defensivabteilungen von Union und Hertha an, ist es nicht nur ein Klassenunterschied. Dazwischen liegen Welten. Ganz brutal ausgedrückt: Die Köpenicker sind mit ihrer Abwehr reif für die Champions League und die Blau-Weißen verteidigen wie ein Absteiger.

Mit nur 21 Gegentreffern hat Union momentan die viertbeste Abwehr der Bundesliga hinter Bayern, Freiburg (je 16) und Mainz (17). Das sind im Schnitt 1,23 Gegentore pro Partie. Und Hertha? 35-mal durfte der Gegner über Treffer jubeln. Im Schnitt mehr als zwei Gegentreffer pro Spiel. Die Blau-Weißen haben die zweitschlechteste Verteidigung im Oberhaus. Nur der abgeschlagene Tabellenletzte Greuther Fürth ist mit 49 Gegentoren eine noch größere Schießbude.

Union hat ein eingespieltes Quartett

Bei den Eisernen stand die Null in 17 Spielen sechsmal, bei Hertha gerade zweimal (1:0 gegen Gladbach, 2:0 gegen Bielefeld). Was also macht Union in der Abwehr so viel stärker als Hertha? Ganz einfach: Es ist die Konstanz. Das Quartett mit Torwart Andreas Luthe sowie den drei Verteidigern Robin Knoche, Marvin Friedrich und Timo Baumgartl versteht sich auf dem Platz fast blind. Die Kommandos sitzen. Großes Verletzungspech gab es nicht in der Dreier-Kette. Knoche kommt auf 17 Einsätze, Friedrich durch Corona, eine Gelb-Rot-Sperre und eine Erkältung auf 12 Partien, Baumgartl schaffte 13 Einsätze, weil er wegen einer Gehirnerschütterung aussetzen musste.

Herthas Freistoßmauer mit Sonderposten für Marco Richter als Flachball-Blockade. Foto: Imago Images/Nordphoto/Engler

Da hatten die Herthaner ganz andere Probleme. Formschwäche, Verletzungen, Rot-Sperre – alles war dabei. Die Abwehrreihe wurde ständig gewechselt. 13-mal wurde mit Vierer-Kette gespielt: Das beständigste Innenverteidiger-Duo Dedryck Boyata/Niklas Stark agierte nur sechsmal zusammen. Dazu gab es vier Spiele lang bei Ex-Trainer Pal Dardai eine Dreier-Kette mit ständig wechselndem Personal. Das alles trug dazu bei, dass Hertha hinten immer löchrig wie ein Schweizer Käse war.

Korkut setzt jetzt auf Vierer-Kette

Dardai-Nachfolger Tayfun Korkut setzt nur auf eine Vierer-Kette. Dazu nahm er sich sofort der Gruselstatistik Gegentore nach Standards (ohne Elfmeter) an. Zehn waren es, bevor er das Amt übernahm. Zum Vergleich: Bei Union sind es nur zwei Gegentreffer in 17 Spielen. Manager Fredi Bobic war die Standard-Schwäche lange ein Dorn im Auge. Schon bevor er Pal Dardai beurlaubte, kritisierte er, dass es „eine Raumdeckung statt einer Manndeckung“ bei ruhenden Bällen des Gegners gibt. Korkut ist jetzt auf konsequente Manndeckung zurückgegangen.

Nach Standards gab es zwar in seinen bisherigen vier Spielen nur noch ein Gegentor, aber insgesamt sind es acht Treffer mehr für den Gegner. Die Quote bleibt also bei zwei Gegentoren pro Spiel.

Hertha muss in der Rückrunde da schleunigst besser werden. Mut machte immerhin das Verteidigerduo Stark und der wiederentdeckte Jordan Torunarigha. Die beiden stellten beim 3:2 Dortmunds Tormonster Erling Haaland kalt. Wenigstens da waren die Blau-Weißen besser als Union. Haaland traf beim 4:2 gegen die Eisernen doppelt.

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