Timo Werner (l.) trifft zum 2:1 und dankt Leon Goretzka für die Vorarbeit. Foto: Imago Images

Deutschland und die Nations League – das war bisher alles andere als eine Erfolgsgeschichte. Womöglich ändert sich das gerade mit dem zweiten Dreier und dem 3:1 (2:1) gegen die Ukraine in diesem Wettbewerb. Der Abstieg, das steht erst einmal fest, ist abgewendet. Jetzt hat das DFB-Team am Dienstag in Sevilla gegen Spanien die Chance auf den Gruppensieg.

Um sich in diese komfortable Ausgangsposition zu bringen, bedarf es wie zuletzt oft einiger Schockmomente. Die Gäste, die mit einem Vierer-Block von Schachtjor Donezk antreten, dem 0:6-Verlierer jüngst in der Champions League gegen Mönchengladbach, kennen keine Furcht. Sie spielen trotz des Covid-19-Dilemmas (vier Spieler, darunter der Ex-Dortmunder Andrej Jarmolenko, sowie ein Teambetreuer sind positiv getestet), das die Austragung wackeln lässt, unerschrocken auf. Roman Jaremtschuk knallt, weil die deutsche Dreier-Abwehr gegen die Kombination keinen Zugriff bekommt, das 0:1 rein (12.).

Leipzig liegt dem deutschen Team

Aber es wird in Leipzig gespielt, wo das DFB-Team seine zehn Spiele zuvor alle gewonnen hat. Als ob gerade das den besonderen Schub auslöst. Von Überlegenheit jedenfalls ist noch nicht viel zu sehen, Torrauszenen sind bis auf den verunglückten Schuss von Leon Goretzka in den Himmel (3.) gar nicht darunter. Und doch klappt es, weil Goretzka im exakt richtigen Moment den tiefen Pass auf Leroy Sané spielt und die Bayern-Kombination perfekt abgeschlossen wird und zum 1:1 führt (23.).

Das ist so etwas wie die genau richtige Antwort, auch weil in Abwesenheit des gelbgesperrten Toni Kroos Sicherheit und Selbstbewusstsein in kritischen Phasen noch wichtiger sind als sonst. Dafür sorgt neben Ilkay Gündogan (bringt Ruhe in die Aktionen) und Robin Koch (eigentlich in der Dreier-Abwehr, oft aber als Sechser davor) vor allem Goretzka. Klasse, wie er das Zuspiel von Koch annimmt, in die Mitte zu Timo Werner bringt und der in seinem einstigen Heimstadion das 2:1 köpft (33.).

Spiel gedreht, das ist erst einmal das Minimum, das Jogi Löw, der nur noch vier Spiele bis zur EM im kommenden Jahr hat, von seinen Jungs erwartet. Nur ist das noch kein Ruhekissen, zumal die Ukrainer gefährlich bleiben und durch einen von Niklas Süle abgefälschten Schuss von Oleksandr Sintschenko (52.) am Ausgleich schnuppern. Auf der Gegenseite gibt es zwar gute Gelegenheiten von Sané (57.), auch fordern alle Deutschen nach einem klaren Handspiel von Ilja Sabarny einen Elfmeter (58., einen Video-Assistenten gibt es aber nicht), ebenso knallt Serge Gnabry den Ball unkontrolliert in den Himmel (61.), nur führt das alles noch nicht zum Ziel.

Eigentlich sollte das 3:1 durch Werner (64.) die Fronten endgültig klären, doch es bleibt ein wenig wackelig, weil die Ukrainer durch Marlos (75.) und Maraes (82.) jeweils den Pfosten treffen und Goretzka sein gutes Spiel nicht mit dem 4:1 krönt (81.). „Wir hatten ein paar kleine Fehler dabei, aber dass wir nach dem Rückstand so gut zurückgekommen sind, war schon nicht so schlecht“, sagte Sané. Auch Goretzka, der doppelte Tore-Vorbereiter, ist ziemlich zufrieden und meint: „Das Zusammenspiel vor allem mit Leroy wird immer besser. Das hat uns geholfen.“ Also: Ende gut, alles gut. Weil Spanien, auch weil Mönchengladbachs Torhüter Yann Sommer zwei Elfmeter von Sergio Ramos hält, in der Schweiz beim 1:1 Federn lässt, reicht nun am Dienstag ein Punkt zum Gruppensieg.