Hat die höchste Niederlage einer DFB-Auswahl seit 89 Jahren zu verantworten: Joachim Löw. Foto: imago images/Eibner

Es ist zu hoffen, dass Joachim Löw, der Bundestrainer, und Oliver Bierhoff, der beim Deutschen Fußball Bund (DFB) für die Nationalmannschaft und die Fußballentwicklung verantwortliche Direktor, ihr Wort halten. Wenn die beiden nämlich tatsächlich (wie von beiden in Aussicht gestellt) dieses 0:6 gegen Spanien „knallhart analysieren“ und die „richtigen Schlüsse“ aus der höchsten Niederlage einer DFB-Auswahl seit 89 Jahren ziehen, haben wir schon bald einen neuen Bundestrainer, aber eben auch einen neuen Direktor für die Nationalmannschaft und die Fußballentwicklung. Am besten - und das in beiden Fällen - schon gegen Ende dieser Woche, weil es im Hinblick auf die Europameisterschaft im kommenden Jahr eine rasche Entscheidung und einen klaren Schnitt braucht.

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Einerseits erweckt Löw den Eindruck, dass er sowohl inhaltlich als auch emotional mit der Aufgabe eines Neuaufbaus überfordert ist. Mit seinem Wirken nach innen erzielt er offenbar nicht mehr die erhoffte Wirkung, tritt zudem nach außen nicht mehr wie ein charismatischer Weltmeistertrainer, sondern eher wie ein entrückter Trainer-Sonderling in Erscheinung. Da ist viel Leerlauf, viel Blabla in seinen Aussagen und mitunter auch ein Schuss Überheblichkeit in seinem Auftreten. Verloren ist all das Lässige, verloren all die Souveränität. Ja, letztlich hat es den Anschein, als mache da einer etwas, was er gar nicht mehr machen will.

Eine Mannschaft, mit der die Nation nicht mehr viel anfangen

Andererseits hat Bierhoff zu verantworten, dass Löw nach dem blamablen Scheitern bei der WM 2018 selbst über sein Schicksal entscheiden durfte und dabei bekanntermaßen nach einer „knallharten Analyse“ zu dem Schluss gekommen war, es komme letztlich nur einer für den Neuaufbau infrage, nämlich er selbst. Ja, Bierhoff war auch derjenige, der im Zusammenspiel mit Löw aus „La Mannschaft“ eine Nationalmannschaft gemacht hat, mit der die Nation nicht mehr viel anfangen, sich nicht mehr so recht identifizieren kann. Siehe: die Einschaltquoten bei Länderspielen.

Schon vor etwas mehr als zwei Jahren hat man beim DFB also einen schwerwiegenden Fehler gemacht. Es verpasst, zum rechten Zeitpunkt eine Ära zu beenden, mit einem neuen Führungspersonal einen tiefgreifenden Relaunch der Nationalmannschaft anzugehen. Aber klar, fast vergessen, damals war Reinhard Grindel, der Unfähigste unter den Unfähigen, der Präsident des DFB. Grindel, der kurz vor der WM 2018 noch mal flugs Bierhoffs Vertrag bis 2024, Löws Kontrakt wiederum bis 2022 verlängerte und nach der WM 2018 erklärte, dass Löw nun „die richtige Analyse vorgenommen und auch aufgezeigt hat, welche Konsequenzen zu ziehen sind“.

Analysieren. Schlüsse und Konsequenzen ziehen. Irgendwie ist bei Löw da der Wurm drin, was freilich die beim Einstieg vorgebrachte Hoffnung auf einen umgehenden Personalwechsel doch arg schwinden lässt.