Taiwo Awoniyi setzt sich gegen Leipzigs Abwehr durch und trifft zum 1:0. Endstand 2:1. Foto: Imago Images/Picture Point

Neues Jahr und das Stadtduell geht weiter. Der große Traditionsverein Hertha BSC gegen den Underdog 1. FC Union, der schon lange keiner mehr ist. Das Jahr 2021 ging eindeutig und völlig verdient an die Köpenicker. Union schloss die vergangene Saison auf Platz 7 ab, Hertha rettete sich auf Rang 14 gerade noch vor dem Abstieg. Nach der jetzigen Hinrunde sind die Rot-Weißen schon wieder vor den Blau-Weißen – sechs Punkte mehr auf dem Konto. In der KURIER-Serie lesen Sie, warum Union besser ist als Hertha. Im ersten Teil geht es um den Sturm beider Klubs.

Die Eisernen haben in 17 Bundesliga-Spielen 23 Tore geschossen, die Blau-Weißen nur 20. Ein minimaler Unterschied? Nein, denn die Kleinigkeiten sind manchmal entscheidend. Union hat diese Saison einen echten Torjäger mit Taiwo Awoniyi (24). Neun Treffer, Rang 5 in der Torjägerliste.

Stevan Jovetic und Davie Selke bejubeln das 2:0 gegen Bielefeld. Foto: City-Press

Und Hertha? Da muss man über drei Jahre zurückgehen, um einen Stürmer zu finden, der mehr als neun Treffer in der ganzen (!) Saison erzielt hat. Es war 2018/19 Vedad Ibisevic mit zehn Toren. Die Blau-Weißen haben viele Mittelstürmer, doch bisher ist noch keiner ein Torgarant wie Unions Awoniyi. Die interne blau-weiße Liste der etatmäßigen Mittelstürmer sieht so aus: Stevan Jovetic traf fünfmal, Ishak Belfodil, Kris Piatek, Davie Selke jeweils einmal. Vier Hertha-Angreifer kommen zusammen nicht mal auf so viele Treffer wie Unions Top-Torjäger.

Trainer Fischer ist Vaterfigur für Awoniyi

Wie kann das sein? Herthas Manager Fredi Bobic spricht mit höchster Anerkennung über den Stadtrivalen: „Bei Union ist etwas langfristig, organisch entstanden. Die Mannschaft tritt homogen auf.“ Der Torerfolg Awoniyis ist ein echter Beweis. Der Nigerianer kam im Sommer 2020 als Leihstürmer vom FC Liverpool. Viele Stationen in ganz Europa hatte er hinter sich. Darunter auch den belgischen Klub Royal Excel Mouscron, bei dem Herthas Kult-Trainer Jürgen Röber als Sportdirektor tätig war und Awoniyi 2017 dort hinlotste.

Erst an der Wuhlheide fühlte sich der 1,83 Meter große Angreifer richtig wohl. Den größten Anteil daran hat Trainer Urs Fischer. Der Schweizer ist für den Stürmer eine Vaterfigur, ein echter Anker – auf und neben dem Platz. Deswegen kämpfte der Coach auch um Awoniyi im vergangenen Sommer und der Stürmer wurde vom Klopp-Klub für 6,5 Millionen Euro gekauft. Diese Sicherheit und Geborgenheit machten ihn noch stärker. Dazu bildet er ein eingespieltes Duo mit Max Kruse. Der Routinier traf nicht nur dreimal, sondern bereitete auch drei Tore von Awoniyi vor.

Der Nigerianer ist ein wuchtiger, dynamischer Stürmer – ähnlich wie Jhon Cordoba, der Hertha aber nach nur einer Saison und sieben Treffern im Sommer wieder verließ. Die Blau-Weißen brauchten die 20 Millionen Euro vom Russen-Klub Krasnodar.

Cordoba ging im Sommer, geht Piatek im Winter?

Piatek dagegen blieb. Der Pole ist das klassische Beispiel dafür, was alles für einen Angreifer schieflaufen kann, wenn es im Verein nicht richtig stimmt. In nun zwei Jahren hat er nach Jürgen Klinsmann, Alexander Nouri, Bruno Labbadia, Pal Dardai mit Tayfun Korkut den fünften Trainer. 56 Liga-Spiele und nur zwölf Treffer. Für 24 Millionen Euro wurde der Stürmer im Januar 2020 vom AC Mailand gekauft.

Bobic wäre froh, wenn er ihn jetzt für die Hälfte des Geldes wieder verkaufen könnte. In den Planungen des Trainers spielt der polnische Nationalstürmer keine große Rolle mehr. Korkut, der im Vergleich zu Vorgänger Dardai offensiveren Fußball spielen lässt, setzt im neuen Jahr auf das Sturmduo Jovetic/Belfodil. Doch die beiden müssen sich anstrengen, um irgendwie Awoniyi noch in der Rückrunde einzuholen.

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