Unions nächster Stadionumbau schreitet in den nächsten drei Jahren voran. Hertha muss weiter auf Grünes Licht vom Senat warten.
Unions nächster Stadionumbau schreitet in den nächsten drei Jahren voran. Hertha muss weiter auf Grünes Licht vom Senat warten. Imago images/Koch, Hertha BSC

Berlin kann stolz sein - Deutschlands einzige Stadt mit zwei Bundesligisten. Dazu eine prickelnde Rivalität mit der ganz besonderen Würze. Der 1. FC Union, früher der Underdog, läuft dem großen Traditionsverein Hertha BSC seit dreieinhalb Jahren den Rang als Nummer 1 ab. Ein Grund für den KURIER, den Ist-Zustand der beiden Hauptstadtklubs kurz vor dem Jahreswechsel in einer Serie noch einmal zu beleuchten. Gemeinsamkeiten, Überraschungen, Hoffnungen - so sieht es bei Hertha BSC und dem 1. FC Union vor dem neuen Jahr 2023 aus. Im letzten Teil geht es um die Stadionpläne beider Klubs.

Union hat das Försterei-Gelände gekauft

Union-Präsident Dirk Zingler zeigt stolz den Kaufvertrag für das Stadiongelände.
Union-Präsident Dirk Zingler zeigt stolz den Kaufvertrag für das Stadiongelände. imago images/Koch

Es war der spannendste Moment auf der Mitgliederversammlung der Eisernen im vergangenen Monat. Also neben den Zahlen, die Union einen Rekordetat und die Aussicht auf den endgültigen Abbau des negativen Eigenkapitals am Ende der Spielzeit 22/23 verheißen. Es ging um das Stadion!

Präsident Dirk Zingler brachte in der fünf Stunden dauernden Versammlung im Tempodrom als erstes die frohe Botschaft unter das Volk, dass der 1. FC Union jetzt endgültig Herr im eigenen Haus sei. Die Eisernen hatten das Gelände, auf dem die Alte Försterei steht, im September 2008 in Erbpacht unter ihre Fittiche genommen. Der Wert des Grundstücks wurde seinerzeit auf 1,8 Millionen Euro taxiert, der Pachtzins auf 6,5 Prozent festgelegt. Stand heute hätten die Köpenicker bis zum Pachtende im Jahre 2073 insgesamt 5,967 Millionen Euro zahlen müssen.

Aufgrund einer Bewertungsanpassung sicherten sich die Eisernen jetzt die rund 60.000 Quadratmeter große Fläche für knapp 3 Millionen Euro. Was immer noch die Hälfe weniger ist, als die Pacht bis 2073.

Gerne hätte die Eisernen das Gelände schon vor 14 Jahren erworben. Für den seinerzeit festgelegten Wert von 1,8 Millionen Euro. Sie konnten es aber nicht: „Wir hatten damals kein Geld“, gab Zingler zu. Für die bevorstehende Mammutaufgabe, die marode Alte Försterei zu sanieren, musste jeder Cent zwei Mal umgedreht werden.

Historische Leistung: 2300 Unioner bauten 2008/09 mit

2008/09 legten die Unioner beim ersten Sadionumbau selbst Hand an. 
2008/09 legten die Unioner beim ersten Sadionumbau selbst Hand an.  imago images/Koch

Der Rest ist Geschichte. Bundesweit einmalige Geschichte. Vom Frühjahr 2008 bis zum Sommer 2009 sanierten die Fans in Eigenleistung die Stehplatztraversen, während die Mannschaft im Exil des Jahnsportparks den Aufstieg in die 2. Liga bewerkstelligte. Das Stadion wurde überdacht, eine Rasenheizung kam dazu. Rund 2.300 freiwillige Helfer unterstützen die Bauarbeiter in fast 140.000 Arbeitsstunden.

Mit der Aktienemission 2011 wurde auch die Gelder für einen Neubau der Haupttribüne akquiriert. 15 Millionen Euro verschlang das Projekt. Mit einem Kick gegen Celtic Glasgow wurde das 20.012 Zuschauer fassende Ballhaus des Ostens im Juli 2013 eingeweiht. Und vier Jahre später stellten die Köpenicker ihre ersten Ideen für eine Erweiterung ihres Wohnzimmers vor.

Die wurden nun konkreter. Auch wenn der 1. FC Union die Kosten für das Unterfangen erst im kommenden Frühjahr vorstellen möchte. Startschuss soll im kommenden Jahr der Bau einiger neuer Außenbereiche (Funktionsgebäude, Parkhaus, Fanhaus) und zweier neuer Trainingsplätze sein. Mit der eigentlichen Erweiterung wird aber eher 2024 gerechnet. Rund 38.000 Fans sollen dann dort Platz finden.

Ein bisschen Bauchgrimmen haben dabei aber viele Anhänger der Eisernen. Denn bei dem nun erfolgenden Neubau werden die alten Stehplatzblöcke komplett abgerissen. Also das, wofür Blut, Schweiß und Tränen vergossen wurde vor 14 Jahren und für eine hohe Identifikation der Fans mit ihrem Klub und dem Stadion gesorgt hatte. Und sportlich geht es für die Bauphase in den Westend. Der 1. FC Union muss ein Jahr im Exil des Olympiastadions kicken. Schmeckt nicht allen. Ist aber wohl unumgänglich.

Herthas Stadionproblem ist 60 Jahre alt

Herthas alte Heimat, die Plumpe im Wedding, wurde 1974 abgerissen.
Herthas alte Heimat, die Plumpe im Wedding, wurde 1974 abgerissen. Landesarchiv Berlin/Siegmann

Der 1. FC Union hat es vor gemacht, wie man seine Stadionpläne durchsetzt. Viele Herthaner fragen sich: Warum klappt das nicht auch bei uns so einfach? Für die Antwort muss man 60 Jahre zurückgehen. Der große Unterschied zwischen beiden Klubs: Union hatte immer seine Heimat, seine Alte Försterei. Hertha BSC verlor sie mit der Bundesliga 1963.

Die „Plumpe“, das legendäre Stadion am Gesundbrunnen, der Grundstein für die Deutschen Meisterschaften 1930 und 1931, war nicht mehr tauglich für den Spielbetrieb in der Oberklasse. Es gab den Umzug ins Olympiastadion – zur Miete. Geld für die Sanierung der Plumpe war nie da, schließlich war der Verein so klamm, dass er sogar das Gelände 1971 an den Senat verkaufen musste, 1974 wurde die Arena endgültig abgerissen und Wohnblöcke entstanden darauf.

Hertha war spätestens zu diesem Zeitpunkt heimatlos in der eigenen Stadt und richtete sich die nächsten Jahre 30 Jahre auf ein Dauerprovisorium ein. Mit der Wiedervereinigung und den sportlichen Erfolgen Ende der 90er, Anfang der 2000er wurde der Klub im Olympiapark wieder sesshaft. Geschäftsstelle und ein riesiges Trainingsareal, sogar mit einem eigenen kleinen Amateurstadion wurden erschlossen. Dabei blieb es aber – bis 2017. Da gab es die ersten Stadionpläne.

Hertha seit 2017 im Kaugummi-Poker mit der Politik

Der neueste Vorschlag: Neben dem Maifeld (links im Bild) soll Herthas eigens Stadion entstehen.
Der neueste Vorschlag: Neben dem Maifeld (links im Bild) soll Herthas eigens Stadion entstehen. imago images/Photoarena/Eisenhuth

Das Problem Olympiastadion mit Tartanbahn, einem zu großen Fassungsvermögen von 75 000 Zuschauern und wenig Fußballatmosphäre und ständiger Mietkosten sollte behoben werden. Vollmundig ging der frühere Präsident Werner Gegenbauer mit Stadionplänen in die Offensive. 2025 wollte man im eigenen Stadion spielen - auf dem Olympiagelände. Der Senat fühlte sich irgendwie überrumpelt und bremste den Verein bei den Plänen aus. Es gab ernsthaft den Vorschlag, dass man doch das Olympiastadion umbauen könnte – Tartanbahn weg, Tribünen her.

Danach gab es eine wahre Wanderschaft bei den Standortvorschlägen durch Politiker. Einmal mussten der ausgediente Flughafen Tegel, dann Tempelhof herhalten. Herthas Bosse auf der anderen Seite hatten sogar mit einem Umzug ins brandenburgische Ludwigsfelde gepokert, um mehr Druck auf die Politik auszuüben – und wurden dafür per Mitgliederbeschluss zurückgepfiffen. Der Joker war weg.

Danach hieß es nur noch: Neues Stadion auf dem Olympiagelände an der Rominter Allee. Da stehen aber Häuser. Auch das Problem wurde nie bei den Gesprächen zwischen Senat und Hertha behoben. Es mischte sich selbst der Landesportbund ein und schlug das Vernünftigste vor: Bebauung auf dem Maifeld, das riesige Areal wird fast nie genutzt. Doch selbst die Grashalme dort sind in Stein gehauen – wegen des Denkmalschutzes.

In diesem Jahr gab es dann endlich einen ersten kleinen Durchbruch. Innensenatorin Iris Spranger unterstützt Herthas Stadionpläne auf dem Olympiapark – nördlich des Maifeldes, dort wo jetzt Reitanlagen sind. Es gibt Arbeitsgruppen, Gespräche zwischen Verein und Politik, mehr aber noch nicht. Kein Bauplan, keine Baugenehmigung, kein Spatenstich. Von 2025 spricht schon lange keiner mehr. Jetzt ist die neue Arena für 2030 angedacht. Union spielt da schon längst wieder in der größeren Alten Försterei.

Lesen Sie hier mehr über Hertha BSC und den 1. FC Union >>