Hertha BSC und der 1. FC Union vertrauen Dänen im Tor: Oliver Christensen und Frederik Rönnow.
Hertha BSC und der 1. FC Union vertrauen Dänen im Tor: Oliver Christensen und Frederik Rönnow. imago images/Koch/Passion2Press

Berlin kann stolz sein – Deutschlands einzige Stadt mit zwei Bundesligisten. Dazu eine prickelnde Rivalität mit der ganz besonderen Würze. Der 1. FC Union, früher der Underdog, läuft dem großen Traditionsverein Hertha BSC seit dreieinhalb Jahren den Rang als Nummer eins ab. Ein Grund für den KURIER, den Ist-Zustand der beiden Hauptstadtklubs kurz vor dem Jahreswechsel in einer Serie noch einmal zu beleuchten. Gemeinsamkeiten, Überraschungen, Hoffnungen – so sieht es bei Hertha BSC und dem 1. FC Union vor dem neuen Jahr 2023 aus. Im dritten Teil geht es um die beiden Torhüter.

Rönnow ist Unions Rückhalt

Ein etwas gequältes Lächeln beschleicht Frederik Rönnow stets, wenn man ihn auf die Anzahl seiner Länderspiele anspricht. Denn es liegt ja weniger an ihm, dass die Zahl der Kicks für seine Dänen immer noch im einstelligen Bereich liegt, sondern an einem gewissen Kasper Schmeichel. Der Ehrgeiz und der Willen zu spielen sind bei dem Keeper von OGC Nizza dermaßen ausgeprägt, dass er wohl auch bei einem Rummelplatzkick im Tor von Danish Dynamite stehen würde. Acht Mal hatte Rönnow bislang das Vergnügen beim Europameister von 1992.

Ein Schicksal, das der 30-jährige Rönnow sich mit seinem Pendent am anderen Ende der Stadt teilt. Herthas Oliver Christensen, sieben Jahre jünger als Rönnow, kam sogar erst einmal zu Auswahlehren. Bei der WM in Katar blieb ihnen halt nur die Rolle des Zuschauers hinter der dänischen Nummer eins. Und da der 36-jährige Schmeichel keinerlei Zeichen von Amtsmüdigkeit aufweist, muss man kein großer Prophet sein, um zu sagen, die Zukunft im Tor der Skandinavier gehört eher Christensen, weniger Rönnow. Auch wenn der im besten Torwartalter erscheint.

Rönnow und Christensen WM-Fahrer ohne Einsatz

In der Mitte thront Dänemarks Stammkeeper Kasper Schmeichel. Bei der WM mussten Rönnow und Christensen zuschauen.
In der Mitte thront Dänemarks Stammkeeper Kasper Schmeichel. Bei der WM mussten Rönnow und Christensen zuschauen. imago images/Koch

Das Dänen-Duo versteht sich übrigens blendend und trifft sich immer mal wieder auf einen Kaffee in der Stadt. Was die beiden dabei zu bequatschen haben, wollte Rönnow aber nicht preisgeben.

Ist vielleicht auch nicht so wichtig. Wichtiger ist die Rolle, die Rönnow bei den Eisernen einnimmt. Schon am Ende der Vorsaison hatte der 1,88 Meter große Rönnow sich den Status als Nummer eins bei den Köpenickern erkämpft. Andreas Luthe kehrte nur durch eine Verletzung des Dänen an den letzten beiden Spieltagen zurück ins Tor und wenig später der Alten Försterei endgültig den Rücken.

Sicherlich ist es Zufall, dass Rönnow bei den beiden ziemlich mauen Vorstellungen des 1. FC Union im Schlussspurt in Leverkusen (0:5) und Freiburg (1:4) sowie beim 2:2 gegen Augsburg fehlte. Seinem Stellvertreter Lennard Grill waren die Niederlagen nicht anzukreiden. Aber es unterstreicht irgendwie doch, welch ein Rückhalt Rönnow für die Hintermannschaft des 1. FC Union geworden ist.

Grill wird noch den einen oder anderen Einsatz bekommen. Schließlich turnen die Eisernen noch in drei Wettbewerben herum. Aber am Grundsatzstatus, dass Rönnow die Nummer eins bei den Eisernen ist, wird das nichts ändern.

Christensen ist Herthas Hauptgewinner

Immer der scharfe Blick nach vorn: Herthas Oliver Christensen gehört die Zukunft, auch in Dänemarks Nationalteam.
Immer der scharfe Blick nach vorn: Herthas Oliver Christensen gehört die Zukunft, auch in Dänemarks Nationalteam. imago images/Hübner

Er war der Hertha-Gewinner der Hinrunde. Oliver Christensen (23) – von null auf hundert Stammkeeper, von null auf hundert Liebling der Fans. Dänen vertraut man im Tor. Das ist bei Hertha BSC so und auch beim 1. FC Union mit Frederik Rönnow.

Im Sommer 2021 wechselte Christensen von Odense BK zu den Blau-Weißen. Er sollte Herthas Keeper der Zukunft werden. Die Zukunft war dann ganz schnell mit dem ultimativen Nerven-Härtetest in den Relegationsspielen gegen den HSV (0:1, 2:0) im Mai 2022 da. Christensen stand wie eine Eins und tanzte seine Freude vor dem Hertha-Gästeblock heraus. Gute Laune und die ganze Freude aus sich herauslassen. Das kam bei den Fans sensationell an.

Danach stand fest: Christensen wird die neue Nummer eins bei den Blau-Weißen. In der Sommervorbereitung überraschte er dann alle und kündigte an: „Mein Ziel ist die WM mit Dänemark.“ Gesagt, getan! Christensen fuhr nach Katar als Ersatzkeeper hinter Kasper Schmeichel.

Denn er empfahl sich bei Hertha mit Topparaden. Das Team von Trainer Schwarz kassierte nach 15 Spielen nur 22 Gegentore und stellt damit die sechstbeste Abwehr der Bundesliga. Man muss lange zurückblicken: Weniger Gegentreffer nach 15 Spielen gab es 2016 mit 16 Gegentoren. Christensen gibt mit seiner Ausstrahlung der gesamten Verteidigung mehr Sicherheit.

Christensen machte nur einen Patzer

Nur einmal patzte er im Oktober. Beim 2:2 gegen Freiburg, als ihm ein Ball durch die Finger flutschte. Er ärgerte sich am meisten über das Missgeschick. Doch er ging danach hervorragend damit um und gab ehrlich zu: „Das tut mir leid. Ich wollte rauskommen und den Ball fangen. Aber es ist besser, ich mache den Fehler so, anstatt nicht herauszukommen. Ich bin noch jung, manchmal passieren Fehler. Ich muss lernen. Manchmal halte ich alles, manchmal gibt es einen Fehler. Als Torwart ist das dann schlimmer.“

Verstecken, verkriechen, das kennt der Spaßvogel nicht. Er hat den Mut voranzugehen. Das tat er dann auch nach seinem Fehler und ging in die Ostkurve. Die Fans gaben ihre Antwort mit einem Aufmunterungschor: Minutenlang schallte es „Oliver Christensen, Oliver Christensen“.

Als er am Abend zu Hause war, twitterte er zu den Fans: „Noch einmal Danke für die Unterstützung. Eure Geste war erstaunlich! Ha, ho, he.“ Dänen vertraut man eben …

Morgen geht der KURIER-Check weiter. Dann im Fokus: die Mittelstürmer.

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