27. Juni 2018: Deutschland flog nach einem 0:2 gegen Südkorea in der WM-Vorrunde in Russland raus. Foto: imago images/deFodi

Franz Beckenbauer war clever: Er trat auf dem Höhepunkt als Weltmeistertrainer 1990 zurück. Helmut Schön war konsequent: Er nahm als Titelverteidiger seine Mütze nach einer gescheiterten WM 1978. Jogi Löw ist einfach naiv.

Sein Mindesthaltbarkeitsdatum war am 27. Juni 2018 abgelaufen. An diesem Tag geschah die bis dahin größte Schmach in der deutschen Fußballgeschichte. WM-Vorrunden-Aus in Russland nach einem 0:2 gegen Südkorea.

Die wurde jetzt beim 0:6 in Spanien überboten. Ich war im Sommer 2018 ein Verfechter eines Trainerwechsels. Ein Neuanfang geht nicht mit dem alten Chef. Die Mindesthaltbarkeit bei Lebensmitteln sagt nichts über die Genießbarkeit aus. Beim Amt des Bundestrainers heißt Genuss aber Erfolg – und der blieb aus.

Über zwei Jahre wurden beim DFB wegen angeblicher Alternativlosigkeit verschenkt. Ich würde eher sagen: wegen Fantasielosigkeit, gepaart mit falsch verstandener Loyalität zum WM-Trainer von 2014. Löw hat sich für einen falschen Weg beim „Jugend-forscht-Kader“ entschieden.

Geht er in die Analyse, müsste er feststellen, dass er das Problem ist. Ihm fällt diese Erkenntnis schwer. Nicht weil er an seinem Stuhl klebt, nein, er ignoriert, dass er seit Südkorea keine Strahlkraft mehr hat.